Zeitung Heute : Neuer Nachrichtensender wird voraussichtlich am 24. Januar auf Sendung gehen

Joachim Huber

Was die Verlagsgruppe Handelsblatt und n-tv praktizieren, das wollen auch die FAZ und der neue Nachrichtensender N 24: gewinnbringendes Spartenfernsehen. N 24 wird am 24. Januar voraussichtlich um 11 Uhr 30 auf Sendung gehen, vorher wird sich die FAZ GmbH mit 25,1 Prozent an der der TV-Tochter der Pro 7-Gruppe beteiligt haben. Am Dienstag wurde das Engagement der Frankfurter am Unterföhringer Unternehmen bekannt gegeben, letzte Verhandlungen würden im Januar abgeschlossen sein, sagte Pro 7-Sprecher Torsten Rossmann. Der Kaufpreis liege im mittleren zweistelligen Millionenbereich, die FAZ werde sich gemäß Gesellschafteranteil an den jährlichen Betriebskosten beteiligen. Die Pro 7-Gruppe wende im Jahr 2000 rund 110 Millionen Mark auf, "nach vier Jahren soll N 24 die operative Gewinnzone erreichen", heißt es in einer Mitteilung. Georg Kofler, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens und "Vater" des rein werbefinanzierten N 24, bezeichnete die Frankfurter Allgemeine als "Wunschpartner". Sie stelle sowohl unter publizistischen als auch strategischen Gesichtspunkten eine ideale Ergänzung für N 24 und die Pro 7-Gruppe dar.

"Wir haben das Konzept von N 24 geprüft und sind überzeugt, dass auf dieser Grundlage Qualitätsfernsehen gemacht wird", sagte Jochen Becker, Geschäftsführer der FAZ GmbH. Gegenüber dem Tagesspiegel betonte Becker den gemeinsamen Willen, die qualitative Marktführerschaft im deutschen Nachrichtenfernsehen anzustreben. Unter Hinweis auf laufende Gespräche wollte er keine detaillierten Angaben über das Engagment machen. Immerhin konnte sich Becker vorstellen, dass sich "die Kernkompetenz der FAZ" sichtbar im N 24-Programm niederschlägt - bei den Börsen-, Wirtschafts- und Nachrichtenstrecken. Nicht vorstellen konnte er sich, dass FAZ-Mitarbeiter am Stammsitz von N 24, München-Unterföhring, arbeiten werden: "Das ist im Zeitalter der Vernetzung nicht mehr nötig". Auch würde es zu keiner Konfrontation auf der Empore der Frankfurter Börse kommen, wo Friedhelm Busche & Co. die "Telebörse" für n-tv gestalten. Der Geschäftsführer legte Wert auf die Feststellung, wonach die FAZ "selber kein Fernsehen macht", sondern N 24 publizistisch begleiten und beraten werde. "Interessant" nannte Becker auch das "multimediale Unternehmen N 24". Der Online-Auftritt der Zeitung aus Frankfurt/Main hat noch Entwicklungspotenzial.

Im Bereich der elektronischen Medien ist der FAZ-Zeitungsverlag noch mit 1,1 Prozent am Fernsehsender RTL 2, einem männerorientierten Unterhaltungsprogramm, sowie am privaten Hit-Radio FFH beteiligt. Eine einprozentige Beteiligung an RTL war 1995 verkauft worden. Zwei Jahre zuvor war das Tochterunternehmen "Tele-FAZ" mangels Erfolgs geschlossen worden. Es hatte unter anderem für RTL ein hessisches Regionalfenster produziert.

N 24 wird analog über Satellit Astra 1D und in mehreren Kabelnetzen - Berlin fehlt - verbreitet werden. In Bayern erhält der Sender zehn Antennenfrequenzen. Technisch soll das Programm im ersten Sendejahr mindestens 30 Prozent aller TV-Haushalte erreichen.

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