Zeitung Heute : Neuer Polizeipräsident soll bis Ende März gefunden sein

Der Tagesspiegel

Von Otto Diederichs

Das Rennen um den Sessel des Berliner Polizeipräsidenten geht in die letzte Runde. Nachdem die Vorstellungsgespräche bei Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in der vergangenen Woche abgeschlossen wurden, beginnt nun deren Auswertung. Nach Auskunft seiner Sprecherin Henrieke Morgenstern wird dies etwa drei bis vier Wochen dauern. Körtings Kandidat solle „voraussichtlich noch im März“ benannt und dem Abgeordnetenhaus als neuer Polizeiprä sident vorgeschlagen werden.

Mit dem amtierenden Polizeichef, Polizeivizepräsident Gerd Neubeck, seinem derzeitigen Potsdamer Amtskollegen Detlef von Schwerin, dem ehemaligen Bonner Polizeipräsidenten Michael Kniesel und der Berliner Senatsrätin Marion George gab es für den Posten einen bisher noch nicht gekannten Andrang. Ob sich der stellvertretende Leiter des Berliner Verfassungsschutzes, Gerhard Fricke, wie gemeldet tatsächlich auch beworben hat, ist selbst in Sicherheitskreisen unklar. Dichter Nebel liegt auch über der Frage, wen Innensenator Körting favorisieren könnte.

Solch eine strikte Geheimhaltung habe man bisher noch nicht erlebt, heißt es bei Polizeiführern und bei den Polizeigewerkschaften. Allgemein gilt jedoch Polizeivizepräsident Gerd Neubeck als aussichtsreichster Kandidat. Seit Mitte 2000 ist der frühere Oberstaatsanwalt aus Nürnberg in Berlin. Seine zentrale Aufgabe bestand bisher darin, die Verwaltungsreform in der Polizei umzusetzen und aus dem verknöcherten Apparat ein modernes Dienstleistungsunternehmen zu machen. Seit dem Amtsausscheiden von Hagen Saberschinsky führt Neubeck die Polizei seit Oktober kommissarisch.

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist man mit Neubeck sehr zufrieden. Bereits jetzt sei in der Berliner Polizei „eine neue Offenheit spürbar“, sagt GdP-Chef Eberhard Schönberg. Offenheit, Transparenz und Durchsetzungsvermögen schätzt auch Heike Rudat, die Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), an Gerd Neubeck. Von einem neuen Polizeipräsidenten erwarten viele Beamte und Beamtinnen vor allem, dass er bei der Berliner Polizei wieder ein Klima schafft, „wo man gerne arbeitet, damit auch die Qualität der polizeilichen Arbeit steigt“. Und hier, da sind sich GdP-Boss und BDK-Chefin überraschend einig, habe Neubeck den richtigen Weg eingeschlagen.Möglicherweise noch wichtiger als das gute Zeugnis der Gewerkschaftler ist der Umstand, dass Neubeck offenbar die Unterstützung insbesondere jüngerer, als innovativ geltender Polizeiführer genießt.

Ein ernst zu nehmender Konkurrent dürfte allerdings der frühere Bonner Polizeipräsident und kurzzeitige Bremer Innenstaatsekretär, Michael Kniesel, sein. Der heutige Rechtsanwalt aus Königswinter gehört zu den wenigen progressiven Polizeichefs, die auch gegenüber ihren Dienstherren selten ein Blatt vor den Mund nehmen. Vor allem im Umgang mit Demonstrationen hat sich Kniesel einen guten Namen gemacht. Kaum Chancen werden hingegen dem Potsdamer Polizeichef Detlef von Schwerin und Marion George eingeräumt. Fü nf Jahre arbeitete die Juristin in der Berliner Polizeibehörde, unter anderem im Stab des Polizeipräsidenten, bevor sie Anfang der 90er Jahre als Senatsrätin in die Schulverwaltung wechselte. Der Chef des Bundesgrenzschutzpräsidium Ost, Udo Hansen hat sich entgegen bisherigen Berichten gar nicht erst beworben.

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