Zeitung Heute : Neues Gesicht für alte Bauten

Restauratoren brauchen handwerkliches Geschick und naturwissenschaftliches Verständnis

Stefanie Schwarz

Eine junge Frau arbeitet konzentriert an einer Gründerzeit-Kommode. Ihr Kollege sitzt vor einem alten Sessel und behandelt die Lehne. Beide sind Teilnehmer eines Restauratoren-Kurses für Tischler bei der Qualifizierungsgesellschaft für Energie- und Umwelttechnik mbH in Berlin. Hier machen sie sich fit für die Arbeit in der Denkmalpflege.

„Wir bieten arbeitslosen Tischlern eine Chance, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren“, sagt Bernd Kuhn von der Qualifizierungsgesellschaft. Das Unternehmen bietet eine Fortbildung an, die sowohl Neues als auch Altes vermittelt: So lernen Tischler, das Holz mit computergesteuerten Maschinen zu fräsen, aber auch Möbel des 18. Jahrhunderts zu restaurieren. Wer einen Bildungsgutschein vom Arbeitsamt bekommt, kann an dem Kurs teilnehmen.

Aufgrund der schlechten Lage der Baubranche wird wenig neu gebaut. Trotzdem gibt es immer etwas zu reparieren oder zu renovieren. Altbauten haben hin und wieder ein neues Gesicht nötig und Denkmäler müssen gepflegt werden. Der Arbeitsmarkt für Restauratoren sieht daher gut aus. Das gilt gerade für den Raum Berlin, wo viele Altbauten restauriert und etliche Kulturgüter wie Kirchen oder historische Gebäude geschützt werden. „Restauratoren haben meist volle Auftragsbücher", sagt Gunner Matczak von der Handwerkskammer Berlin.

Soll ein Tischler das Holzfenster oder die Wohnungstür einer Altbauwohnung sachgerecht reparieren, kommt er allerdings schon mal ins Schwitzen. Denn junge Gesellen kennen häufig nicht mehr die alten Methoden der Holzverarbeitung. Ein Lehrling lernt zwar, wie man leimt und Leisten zusammensteckt. Für spezielle historische Techniken bleibe in einer zwei- bis dreijährigen Lehre aber kaum Zeit, so Matczak.

Bei seiner Arbeit stößt der Restaurator oft auf Überraschungen wie alte Wandmalereien. „Solche Schätze müssen behutsam behandelt und restauriert werden“, sagt Matczak. Diese Arbeit ist nicht nur zeitaufwändig, sie benötigt auch Fachwissen.

Um als Denkmalpfleger zu arbeiten, muss der Handwerker lernen, wie man zum Beispiel eine 200 Jahre alte Holzpforte originalgetreu nachbaut oder den Stuck der gotischen Fassade erneuert. Für Handwerker gibt es zwei Möglichkeiten, den Beruf zu ergreifen: über ein Berufspraktikum in einem Restaurierungsbetrieb oder über weiterführende Kurse.

Restaurator ist kein geschützter Berufstitel. Außer in Mecklenburg-Vorpommern. Denn dort ist ein abgeschlossenes Restaurator-Studium an der Fachhochschule Voraussetzung, um sich so zu nennen. Wer die Fachhochschulreife besitzt, kann unter anderem an der FHTW Berlin oder FH Potsdam „Diplom-Restaurator“ studieren.

Vor dem Studium muss der Kandidat ein ein- bis zweijähriges Berufspraktikum absolvieren – in einem Museum, einem Denkmalamt oder einer Restaurierungswerkstatt. Ein Praxissemester sorgt dafür, dass die Ausbildung an der Hochschule nicht nur graue Theorie ist.

Die Denkmalpflege setzt vielseitige Qualifikationen voraus. Vor dem praktischen Teil der Arbeit steht die Planung. Zu Beginn einer Restaurierung wird ein Denkmal begutachtet und sein Schaden eingeschätzt. Danach erstellt der Denkmalpfleger einen Finanzierungsplan und das Sanierungskonzept, und leitet anschließend die handwerklichen Arbeitsschritte in die Wege. Am Ende stehen die eigentlichen Renovierungsarbeiten.

Neben handwerklichem Geschick braucht ein Restaurator auch das Interesse für Naturwissenschaften. „Denn außer Holz zusägen oder Stuckarbeiten, fallen Materialuntersuchungen an“, sagt Jan Hamann vom Berliner Betrieb „Restaurierungen am Oberbaum“. Der Denkmalpfleger bestimmt beispielsweise mittels chemischer Analysen die Zusammensetzung der Bausubstanz, um anschließend das entsprechende Material zu verarbeiten.

Aufgrund der unterschiedlichen Aufgabenstellungen arbeiten bei „Restaurierungen am Oberbaum“ Architekten, Kunsthistoriker, Archäologen, Naturwissenschaftler, Bildhauer und Restauratoren Hand in Hand.

Für Maler und Tischler offeriert die Handwerkskammer Berlin berufsbegleitende Kurse. Man beschäftigt sich mit Schnitzen, Vergolden, Bauphysik oder rechtlichen Grundlagen des Denkmalschutzes. Der Unterricht findet an sechs Wochenenden in Folge statt, dann schließt sich eine sechswöchige Pause an. Insgesamt dauert die Weiterbildung bis zu eineinhalb Jahre. Man könne den Kurs nicht innerhalb weniger Wochen machen, sagt Matczak, erst Übung über einen längeren Zeitraum mache das Wissen fundiert.

Auf einem Spaziergang von Köpenick nach Rahnsdorf kann man das erfolgreiche Ergebnis der angehenden Restauratoren sehen. Einige Teilnehmer der Handwerkskammer-Kurse legten dort etwa 100 Jahre alte Ornamente und Engelsbilder der Waldkapelle Hessenwinkel frei. Zusammen mit Fachleuten aus der Denkmalpflege rekonstruierten sie die Malereien.

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