Zeitung Heute : Neues Leben für altes Eisen

28 Mitglieder zählt die Motorrad Veteranen Gemeinschaft in Lübars In ihrer Freizeit restaurieren sie uralte zweirädrige Schätze

Roland Koch

Von Roland Koch

Pferde traben über die Weiden, Ausflügler kommen zum Radeln oder Spazierengehen. Hier oben im Berliner Norden geht’s ländlich zu. Meistens. Denn nicht alle Menschen wollen in Lübars immer nur die Ruhe und Natur genießen. Eine kleine Truppe gestandener Männer und Frauen verschwindet regelmäßig hinter Scheunentoren und Werkstatttüren, um einem besonderen Hobby nachzugehen. Wenn sie aktiv werden, riecht es nach Öl und altem Eisen und „Benzingespräche“ hallen durch den Raum.

Wenn’s dann irgendwann richtig knattert, wenn blauer Dunst in der Luft hängt und ein altes zweirädriges Vehikel vom Hof rollt, strahlen ihre Gesichter. Denn dann können sie die Früchte ihrer Arbeit ernten, aufrecht im Sattel einer BMW, einer Harley, einer Triumph oder BSA. 28 Mitglieder – 24 Männer, vier Frauen – zählt die Motorrad Veteranen Gemeinschaft, und in ihrer Freizeit restaurieren die Mitglieder alte Motorräder – mit Vorliebe Baujahre aus der Zeit vor 1940.

„Es ist schon nicht jedermanns Sache, sich vor einen Haufen Schrott zu setzen und daraus in jahrelanger Arbeit wieder ein funktionierendes Motorrad zu machen“, sagt der Vorsitzende Johannes Götze. Man müsse ein besonderes Interesse an alter Mechanik und Technik haben. Dafür verbringt der Architekt Sonnabend für Sonnabend in der zur Werkstatt umfunktionierten Scheune – und auch so manchen Feierabend. Vor allem brauche man dazu aber Gleichgesinnte, die helfen. In der Gemeinschaft gibt es Dreher, Lackierer und Autoschlosser. Jeder kann irgendetwas besonders gut reparieren oder nachbauen, sagt Götze.

Aber nicht nur das Restaurieren ist das Hobby des großen, vollbärtigen Mannes und seiner Gefährten. Mit Leidenschaft fahren sie die alten Stücke auch, beim alljährlichen „An- und Abfahren“ der Saison, bei Oldtimer-Rallyes in ganz Europa oder bei Sonntagsausflügen im Berliner Umland. 300 bis 400 Motorräder haben die Männer insgesamt schon zusammengesetzt. Auch zu Feiern kommen die Veteranen-Bastler auf Einladung gern und präsentieren ihre historischen Kostbarkeiten. „Wir machen das nicht aus finanziellem Interesse“, erzählt der 59-Jährige. „Sondern einfach aus Spaß. Wenn ’ne Bratwurst und ein Bier rausspringen, reicht uns das völlig.“

Auch auf Teilemärkten, wie im November in Neuruppin, trifft sich die Szene, dann wechseln Kurbelwellen, Federgabeln oder Tanks den Besitzer. „Man muss schon ganz schön suchen“, erzählt Götze. Schließlich gehe es darum, das Original wieder zusammen zu bekommen. „Vor allem zu einem Preis, der stimmt.“ Von Jahr zu Jahr würden Teile und vor allem komplette Motorräder teurer. Fahrzeuge, die einst in Kellern unbeachtet verrosteten, kosteten heute restauriert bis zu 20 000 oder 30 000 Euro.

Aber für Götze ist das Verkaufen einer seiner 25 Schätze kein Thema mehr. „Vor ein paar Jahren habe ich das einmal mit einer BSA, die ich doppelt hatte, gemacht“, sagt er. „Wenn ich die Maschine jetzt auf einer Show wieder sehe, tut mir das immer noch ein bisschen weh.“

— Die Motorrad Veteranen Gemeinschaft Berlin trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat im Dorfkrug Lübars. Tel: 0176 11 80 82 20,

Internet: www.mvg-berlin.de

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