Zeitung Heute : Neues Leseparadies

Zentralbibliothek für die HU: Bis 2009 entsteht das Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum

Milan Bulaty

Die Humboldt-Universität will nicht nur kluge, kreative und kritische Köpfe ausbilden, sondern bemüht sich auch darum, eine moderne Infrastruktur für diese Köpfe zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist die Universitätsbibliothek: Nach dem Erwin Schrödinger-Zentrum auf dem Campus Adlershof, wo die Zweigbibliothek Naturwissenschaften gemeinsam mit dem Computer- und Medienservice (CMS) ihre umfassenden Dienstleistungen anbietet, wird zurzeit das Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum auf dem Campus Mitte errichtet. Der Rohbau ist fast fertig, das Richtfest wird im Mai stattfinden. Das fertige Gebäude soll im Herbst 2009 eröffnet werden.

Berliner Studierende und Wissenschaftler, aber auch alle Interessierten können den Beginn einer neuen Epoche in der Geschichte der Bibliothek miterleben. Nach 177 Jahren Unterbringung in Provisorien beziehungsweise als Untermieterin in unzureichenden Domizilen wird die Zentralbibliothek – gemeinsam mit dem Computer- und Medienservice – ein eigenes Gebäude haben.

Die moderne, zurückhaltende Architektur von Max Dudler wird mit klaren geometrischen Mitteln Einfachheit schaffen, die der Zentralbibliothek eine offene, klare und anregende Atmosphäre geben wird. Ein großer Lesesaal mit mehreren Leseterrassen verbindet Leseplätze und Freihandbereich auf ästhetische Weise. Die Verwendung nur einer Holzart und weniger Farben sowie der Blick ins Freie unterstützen das konzentrierte Arbeiten.

Die Bestände der Zentralbibliothek werden mit den Beständen von elf geistes-, kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Zweig- und Teilbibliotheken in das neue Haus einziehen. Fast der gesamte Bestand, das sind etwa zwei Millionen Bände, wird in den Regalen frei zugänglich sein. Ausgenommen sind lediglich 500 000 Bände besonders schützenswerter Bestände. Daneben werden umfassende elektronische Dienstleistungen geboten, die zum augenblicklichen Standard gehören, teilweise aber auch darüber hinaus weisen. Mit Hilfe modernster RFID-Technik werden Ausleihe, Rückgabe und Sortierung der Bücher automatisiert.

Gleichzeitig werden die Qualität und der Umfang der Auskunft und Beratung steigen. Die Nutzer werden per Online-Katalogen, Datenbanken und Internet recherchieren, zudem aber aufgrund der systematischen Freihandaufstellung zusätzlich auf Anregungen, Ideen und Gedanken direkt im Bücherregal stoßen.

Lange Öffnungszeiten – auch samstags und sonntags –, moderne Technik, 1250 unterschiedlich gestaltete Arbeitsplätze im Zentralen Lesesaal, im Forschungslesesaal und im PC-Pool, Einzel- und Gruppenarbeitsplätze sowie Arbeitskabinen werden beste Arbeitsbedingungen für alle wissenschaftlich Tätigen schaffen. Auch Kinder sind willkommen. Im Rahmen der Förderung eines familienfreundlichen Studiums wird ein abgetrennter Eltern-Kind-Arbeitsbereich eingerichtet, der es Eltern ermöglichen soll, ihre Kinder mit in die Bibliothek zu nehmen. Neben einem Spielbereich in Sichtweite der Arbeitsplätze können die Kinder dort auch spezielle Tische neben denen der Eltern zum Malen oder Lesen nutzen. Eine Cafeteria sowie Vortrags- und Ausstellungsräume runden das Raumensemble ab.

Das Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum befindet sich nicht nur in der Nähe des Hauptgebäudes der Universität, dicht am Bahnhof Friedrichstraße, zwischen Geschwister Scholl- und Planckstraße, sondern auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu Staatsbibliothek und Museumsinsel. Damit trägt die Universitätsbibliothek zum kulturellen Reiz dieser Gegend bei.

Die Gedanken und Gefühle, Ideen und Irrtümer von Gelehrten aller Jahrhunderte direkt zugänglich, dazu der Blick aus dem Lesesaal durch das Glasdach in den Himmel über Berlin – ein Leseparadies für die Universität und die Stadt entsteht.

Der Autor ist Direktor der Universitätsbibliothek der HU.

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