Zeitung Heute : Neues Terminal im Anflug

Deutschlands Staatsgäste sollen schlicht und natürlich empfangen werden

Eine lichte Halle in einem lichten brandenburgischen Kiefernhain. Angelehnt an die Typologie des Waldes stellen sich die Architekten Busmann + Haberer das neue Empfangsgebäude für Staatsgäste vor. Die gesamte Front zum Flugfeld soll in der Länge von 300 Metern mit Kiefern bepflanzt werden. Fotos: Promo BUSMAMM+HABERER Gesellschaft von Architekten mbH Berlin
Eine lichte Halle in einem lichten brandenburgischen Kiefernhain. Angelehnt an die Typologie des Waldes stellen sich die...

Erst wird es nicht ganz so fein aussehen, aber später umso schöner ausfallen. Die Bundesregierung muss nach dem Umzug von Tegel nach Schönefeld ihre Staatsgäste zunächst in einem Provisorium empfangen. Es wird wohl nicht ganz die hohen protokollarischen Ansprüche erfüllen, denn mehrere Jahre lang muss sie dafür das bestehende Abfertigungsgebäude aus DDR-Zeiten nutzen. Vorübergehend gab es sogar Pläne, die Staatsgäste in Containern zu empfangen.

Erst frühestens Ende 2014 kann sie dann nochmals umziehen: in den neuen Protokollbereich der Bundesregierung mit einem neuen Terminal aus viel Holz und Stahl, das freundlich und einladend wirken soll – aber durchaus auch repräsentativ. 310 Millionen Euro wird der Ausbau des gesamten Regierungsbereichs im Norden des Flughafens nach derzeitigem Stand kosten.

Wenn das alte Abfertigungsgebäude für den Flugverkehr aufgegeben wird, ziehen sofort die Handwerker ein. Zusätzliche Trennwände werden eingezogen, weil die Regierung nicht alle Flächen im heutigen Terminal A nutzen muss. Neue Farbe kommt her, und auch ein neuer Teppichboden wird gelegt. Zudem werden Büros für die dort beschäftigen Mitarbeiter geschaffen. Auch die Zufahrt wird neu geregelt und durch eine Schrankenanlage gesichert. Viel mehr Mittel sollen aber nicht mehr investiert werden. Die Arbeiten finden im laufenden Betrieb des Regierungsflughafens statt.

Die Regierung muss zusammen mit den Fluggesellschaften Tegel verlassen, weil dort der Betrieb nach den aktuellen Plänen in der Nacht zum 3. Juni 2012 eingestellt wird. Einen Extra-Regierungsflughafen wird es nicht geben. Nur die Hubschrauberstaffel soll vorübergehend in Tegel bleiben, bis alle Anlagen für die Regierung in Schönefeld fertig sind.

An Provisorien ist das Protokoll bereits gewohnt, denn auch in Tegel musste man nach der Wende vorhandene Räume der französischen Armee nutzen. Nach Umbauten sei aber durchaus ein Hotelstandard geschaffen worden, heißt es bei der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Den Neubau in Schönefeld hat das Berliner Büro von Busmann + Haberer entworfen. Entstehen soll nach diesen Plänen ein „im positiven Sinn einfaches Gebäude“ aus Holz und Stahl, im Osten und Westen von hochstämmigen Kiefern gesäumt. Lamellen gliedern die Fassade. Der nachwachsende Rohstoff Holz soll nach dem Willen der Architekten die Nachhaltigkeit symbolisieren, der sich die deutsche Politik verschrieben habe. Die Büroräume werden natürlich umweltfreundlich be- und entlüftet.

Die Vorfahrts- und Aufstellbereiche für die Wagenkolonnen befinden sich auf der Nordseite. In der Regel sollen die Gäste über die Autobahn A 113 in die Stadt gebracht werden. Je nach Verkehrslage seien aber auch Fahrten durch die Stadt möglich, heißt es. Sperrungen sind dann unvermeidlich – wie heute schon bei Fahrten von Tegel ins Zentrum. Bei hoher Sicherheitslage fliegen die Gäste aus Schönefeld aber auch per Hubschrauber in die Stadt ein.

Um den Standort des Protokollbereichs in Schönefeld war lange gerungen worden. Deshalb hat sich der Bau verzögert. Die Kosten sind von ursprünglich angesetzten 125 Millionen Euro inzwischen auf mindestens 310 Millionen Euro gestiegen.Darin enthalten sind die Kosten für den Bau des Terminals, des Hangars und Stabsgebäudes sowie die Außenanlagen wie Abstellflächen, Rollwege und die Betankungsanlagen für die Flugzeuge. Entstehen sollen drei Hubschrauberstellplätze sowie Abstellpositionen für insgesamt 13 Flugzeuge. Drei Maschinen können direkt vor dem Protokollgebäude parken – damit die Wege für die Staatsgäste kurz sind.

Mit dem Bau ist noch nicht begonnen worden, weil das Genehmigungsverfahren nicht abgeschlossen ist. Demnächst sollen die Arbeiter aber anrücken. Gebaut wird hinter einem Zaun unabhängig vom Flugbetrieb.

Stationiert werden in Schönefeld nur die Maschinen der Flugbereitschaft für den „politischen Bereich“. Klar geregelt ist, wer fliegen darf: Der Bundespräsident, der Bundestagspräsident, der Bundesratspräsident, der Bundeskanzler, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesminister sowie die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Sonstige Mitglieder des Bundestages dürfen auf Anforderung des Bundestagspräsidenten einsteigen. Auch die Parteichefs von im Bundestag vertretenen Parteien sind flugberechtigt wie auch die Kanzlerkandidaten jeweils zehn Wochen vor einer Bundestagswahl.

Der militärische Bereich, der auch Flüge in Katastophengebiete übernimmt, bleibt wie bisher in Köln-Wahn. Ein Komplettumzug hätte die Kosten noch weiter nach oben getrieben.

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