Neues vom Planeten MODE : Das Pferd von hinten aufzäumen

Gerade einen Monat ist es her, da weinte nicht nur Raf Simons hinter Vasen voller Lilien um seinen Posten bei Jil Sander, sondern mit ihm gleich die ganze Modewelt in ihr Spitzentaschentuch. Das Leben kann ja so was von blöd sein, wenn man als Spitzendesigner bei einem Topmodehaus angestellt ist und dann setzen sie einen einfach so vor die Tür.

Aber jetzt ist alles wieder gut. Raf Simons ist seit dieser Woche Chef bei Dior und darf all den überladenen Plunder, den sein Vorgänger John Galliano angeschleppt hat, in die Archive befördern. Da muss Simons ja jetzt sowieso rein, um sich von der A-Linie bis zur O-Linie alles anzuschauen, was Christian Dior sich vor mehr als 50 Jahren ausgedacht hat. Das Beste wäre, er würde dann schnell einen „New Look“ daraus zusammenzimmern, der was sehr Modernes, Schlichtes hat und trotzdem ein bisschen nach Maiglöckchen duftet.

Das waren nämlich die Lieblingsblumen von Christian Dior, der übrigens nach seinem plötzlichen Tod von Yves Saint Laurent beerbt wurde, der, auch weil er so provokante Kleider entwarf, bald unter eigenem Namen weitermachte und seine eigenen legendär gewordenen Linien entwarf und irgendwann auch mit Parfüm und Kosmetik Geld verdiente.

Auch bei YSL gab es inzwischen den einen oder anderen Nachfolger. Einer von ihnen, das Marketing-Genie Tom Ford, der in den Neunzigern die italienische Taschenmanufaktur Gucci vom Staub befreite, hat es sogar zu einer eigenen Modelinie gebracht. Und das ist wirklich etwas ganz Besonderes in der heutigen Zeit: Von Tom Ford können all die Designer, die tolle Sachen für große Häuser machen, lernen, wie man es wirklich macht, wenn man mal wieder von einer Kündigung bedroht ist.

Wie sich das für einen cleveren Geschäftsmann wie Tom Ford gehört, zäumte er das Pferd von hinten auf und begann 2006 erst einmal mit leicht Verkäuflichem: Sonnenbrillen, Parfüms und nur ein paar Männeranzügen. Erst im vergangenen Herbst wagte er sich an schwer Verdauliches wie eine ganze Kollektion für Damen. Die ist so toll geworden, dass sich die Sonnenbrillen bestimmt gleich doppelt so gut verkaufen.

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