Neues vom Planeten MODE : Der neue Grabeslook

Timo Feldhaus sieht für diesen Frühling schwarz

Timo Feldhaus

Dieses Mal waren sie ganz weit vorne. Die Textilwirtschaft, kurz TW, ist das interne Branchenmagazin der deutschen Bekleidungsindustrie, und auf dem Cover ihrer letzten Ausgabe zeigte es drei melancholisch dreinblickende junge Leute in Schwarz. Während sich herkömmliche Modemagazine weiter mit dem bunten, blumigen, weich fallenden Hippie-Chic beschäftigen, lancierte ausgerechnet die biedere TW den allerneuesten Trend aus London. Und der trägt den schauerlichen Namen New Grave.

Die Redakteure sahen schwarz. Auf den großen Laufstegen, bei Gaillano, Diesel, DSquared und auch Dior: Gothic-Anklänge, Leder, Latex, Nieten, mal ein paar Karos und derbe Stiefel. Vorgeführt von bleichen Models mit rotem oder schwarzem Lippenstift ergeben sich eine sexy Silhouette und düsterer Glamour. In dem jungen Londoner Designer Gareth Pugh findet der Trend seinen Protagonisten, das britische Model Agyness Deyn leiht ihm sein Gesicht. Musikalisch untermalt wird der Trend von obskuren Bands wie The Horrors, Crystal Castles oder der Musikrichtung Dubstep, repräsentiert vor allem von Burial (Begräbnis), dem Totengräber mit der Bassschaufel.

New Grave löst in der internationalen Szene den New Rave mit seinen bunten XL-Slogan-Shirts, riesigen Mützen und Neon-Leggings ab. Dieses Modephänomen erschien vor einem Jahr auf der Bildfläche, so schnell allerdings, dass bald niemand mehr Neon tragen wollte, die flackernde Leuchte ausgeknipst wurde und nun ein fahles Nachtschwarz hinterlässt.

Das Aufregendste an dem neuen Hype bleiben aber seine Verkünder. Denn außer dem braven Branchenblatt TW kommt New Grave bisher nur in den ultrahippen Blogs von jungen Modebegeisterten aus Europas Metropolen vor. Deren Blick geht direkt von der Straße auf die Mode, sie dokumentieren Trends in ihren Online-Tagebüchern und erschaffen sie praktisch mit. Dabei bezeichnen die Modeblogger eigentlich den Gegenpol zur TW, denn wenn dort ein Trend besprochen wird, bedeutet das in punkto Coolness sein Todesurteil. Nun treffen Blogger und TW zusammen, ohne den Zwischenschritt über I-D oder Vogue. Das könnte bedeuten, dass uns New Grave nicht lange begleiten wird. Aber für diesen Frühling ist ein dunkler Gegenspieler des Hippie-Revivals gefunden.

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