Neues vom Planeten MODE : Mehr so eine dunkle Farbigkeit

Romy Uebel

Mode drückt aus, was die Menschen umtreibt. Nun fragt sich also die Branche: Wie wird sie aussehen, die Rezessionsmode? Nils Holger Wien vom Deutschen Mode-Institut (DMI) sieht schon jetzt ein Ende des „billigen Glamour“: weniger plakative Roben, weniger Knallfarben, Gold und Dekoration. „Die Menschen sind verunsichert. Der kommende Sommer wird zwar noch farbig, aber bereits gedeckter. Diese Entwicklung tritt schneller ein, als wir prognostiziert haben.“

Das DMI analysiert die Trends von der Stoffentwicklung bis zur Modeberichterstattung. Unter anderem gehört es dem interdisziplinären Netzwerk Intercolour an, in dem Vertreter aus 13 Ländern zweimal im Jahr Farbprognosen für die Saison erarbeiten, die jeweils zwei Jahre später beginnt. Als Grundlage dienen Datensammlungen, Fachwissen und die Diskussion in der Gruppe. „Das ist kein esoterischer Workshop hier“, sagt Wien. „Wir analysieren Stimmungen und geben die Ergebnisse unserer Recherchen an die Hersteller weiter.“

Die derzeitige Stimmung zu analysieren, wäre an sich kein Hexenwerk: „Wir treten ein in eine Phase des Umdenkens. Dabei gibt es zwei grobe Tendenzen: Die einen stecken den Kopf in den Sand, die anderen zeigen: Jetzt erst recht!“. Und was folgt daraus für die Herbst-Winter-Saison 2010/2011? Jedenfalls nicht Resignation in Grau. Auf der Farbkarte, die als Ergebnis des Intercolour-Workshops Anfang Dezember in Berlin entstand, zeigen sich drei Gruppen: Helle Pastelle stehen für Klärung und Reinigung, starke „Katalysatorfarben“ demonstrieren den Aufbruch in eine neue Zeit. Was genau die Zukunft bringt, scheint aber auch für Intercolour ein wenig verschleiert. Denn was ist mit dem Dauerbrenner Schwarz? Schwarz ist in der Krise tabu. Stattdessen kommt eine dunkle Farbigkeit, die für Beruhigung steht. So ein Schwarz mit Farbeinschlag. Wie beim Gefieder eines Raben.

Immerhin, eins ist mal klar: „Die Krise hat gezeigt, dass man sich nicht mehr hinter Anzug und Krawatte verstecken kann und automatisch vertrauenswürdig erscheint.“

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