Neues vom Planeten MODE : Muss die das machen?

In ihr eigenes Archiv muss Jil Sander wohl nicht steigen. Das ist eindeutig etwas, das sie all den jungen Designern voraus hat, die sich erst mühsam in die Geschichte eines altehrwürdigen Modehauses einarbeiten müssen, wenn sie dort als Gastarbeiter anheuern. Um die DNA der Marke zu verstehen, wie es so schön heißt. Die 68-jährige Sander ist die Geschichte ihres Hauses, aber muss sie deswegen auch die Zukunft sein? Die Erleichterung war groß, als bekannt wurde, dass Jil Sander endlich wieder Jil Sander ist. Zu sehr habe sich unter der siebenjährigen Leitung von Raf Simons die Marke von sich selbst entfremdet.

Dabei war das, was der Belgier bei Jil Sander entworfen hat, als modern, avantgardistisch, zukunftsweisend bejubelt worden – von den Modekritikern. Was aber allzu oft im Umkehrschluss bedeutet: zu teuer, wenig alltagstauglich, kurz: nicht verkäuflich. Unter Jil Sander soll jetzt alles besser werden. Die Vermutung, dass die Hosenanzugträgerinnen aus alten Pöseldorfer Zeiten schon in den Startlöchern stehen, macht die Runde.

Klar, in der Mode geht es nicht darum, Mikroorganismen beizubringen, wie man Leben rettet: Entweder sie gefällt oder eben nicht. Würde man denken. Im aktuellen Fall von Jil Sander und Yves Saint Laurent lässt sich ablesen, dass es so einfach nicht ist. Leider kann man dem alten Yves kein neues Leben einhauchen, damit er das auch mit seiner Mode tut.

Und dieses ewige Zitieren macht ja auch müde, und deshalb musste jetzt Stefano Pilati bei Yves Saint Laurent dem vier Jahre jüngeren Hedi Slimane weichen. Der ehemalige Designer von Dior Homme hat seit 2007 keine Mode mehr entworfen, er dürfte also voll frischen Mutes sein, wenn er sich jetzt in den Archiven einschließen lässt.

Schön wäre doch, wenn Raf Simons nicht nächster Chef bei Dior oder sonst einem großen Haus würde. Dort muss er wieder Schnitte, Silhouetten, Stoffe und Farben der alten Meister zitieren. Besser wäre, wenn er seine eigene Sprache sprechen könnte. Aber wer soll das bezahlen?

Vielleicht passiert deshalb so wenig, wird so viel in der Modegeschichte gewühlt, weil es immer um die Marke geht, die am Leben gehalten werden soll.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben