Neues vom Planeten MODE : Neues aus Pirmasens

Jakob Wais

Als Dawid Tomaszewski im Januar seine Kollektion auf der Berliner Fashion Week zeigt, geht ein Raunen durch die Reihen. Die Models tragen aberwitzig hohe und zugleich wunderbar feine Schuhe. Die Ledersohlen sind im Petrol der Kleider eingefärbt. Die Killerabsätze in Rochenhaut funkeln bis in die letzte Reihe.

Tomaszewski kennen Sie nicht? Das ist kein Wunder, immerhin gründete der deutsch-polnische Designer erst vor zwei Jahren sein Label. Aber wie kann sich so einer solches Schuhwerk leisten? Das hat der 31-Jährige Europas ältester Schuhmanufaktur zu verdanken. Bei Peter Kaiser wird überwiegend in Pirmasens gefertigt. Die Schuhe der Pfälzer nennt man Klassiker, sie sind bei älteren Damen beliebt. Bei Peter Kaiser gehen sie kein Risiko ein: bewährte Formen und kaum mehr als sechs Zentimeter Absatz. Über Jahre schien das gut zu funktionieren.

Und dann das: In einer E-Mail warnt ein gewisser Dawid Tomaszewski aus Berlin: „Die Zeiten, Dinge zu kaufen, die Millionen andere tragen, sind vorbei.“ Eine Lösung hat der Mann zum Glück auch parat. Eine Kooperation mit seinem angesagten Label soll das angestaubte Schuhhaus retten. Die Pfälzer beschließen: Die gemeinsame Schuhkollektion soll auf der Fashion Week vorgestellt werden.

Doch nun hat das Team von Peter Kaiser ein Problem: Die Ideen des jungen Designers sind zu extravagant, wirtschaftlich ein Desaster und schlicht nicht produzierbar. Täglich werden E-Mails ausgetauscht. Und so liegt nach der Schau ein Staunen in der Stimme eines Geschäftsführers von Peter Kaiser, als er verkündet, die Schuhe lägen preislich im vierstelligen Bereich. Anders seien die hohen Produktionskosten und der enorme Aufwand nicht mehr auszugleichen. Der Jungdesigner hat Europas ältestes Schuhunternehmen kräftig über den Tisch gezogen. Jetzt sind erst mal die Mitarbeiter in Pirmasens gefragt. Um mehr als ein paar Auserwählte zu erreichen, soll schnell eine „Studio-Linie“ folgen, deutlich preiswerter und flacher – echte Klassiker.

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