Neues vom Planeten MODE : Pimp your Kids

Gepolsterte BHs für achtjährige Mädchen? Absurde Idee, sollte man meinen. Doch um diese und ähnliche Fragen wird in Großbritannien gerade heftig diskutiert. Denn dort sind solche Dinge auf dem Markt – und offenbar so beliebt, dass sie nun politisch bekämpft werden sollen. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Kinder selbst. Die verfügen schließlich noch nicht über das nötige Kleingeld, um an der Kasse selbst entscheiden zu können, was sie tragen.

Auch wenn die Kinder noch so laut protestieren mögen – so lange sie das Portemonnaie verwalten, sind die Eltern verantwortlich für das, was ihr Nachwuchs trägt. Das haben auch die großen Bekleidungshersteller begriffen. Und so machen viele von ihnen inzwischen auch Kindermode. Damit die Eltern ihre Kinder genau so anziehen können wie sich selbst und damit die Kleinen möglichst früh an die Marke gewöhnt werden, für die sie später Geld ausgeben sollen. Und so sehen Kinder heute tendenziell eher wie kleine Erwachsene aus.

Genau das ist im Moment ein großes Thema in Großbritannien. Dort hat sich die Regierung vorgenommen, den Kindern ihre Kindheit zurückzugeben. Vor einigen Tagen hat Premierminister David Cameron sich die Forderungen einer Studie zu eigen gemacht, die von der christlichen Lobbyorganisation Mothers' Union erarbeitet wurde. Die trägt den Titel „Let Children be Children“ und soll der „wachsenden Sexualisierung“ von Kindern durch Medien und Werbeindustrie entgegenwirken. Dazu muss man wissen, dass auch in Großbritannien die Mütter versuchen, ihre Kinder zu Abbildern ihrer selbst zu machen. Wer den eigenwilligen Kleidungsstil junger Britinnen kennt, kann sich vorstellen, was dabei herauskommt: vorzugsweise bauchfreie Tops und Mikroröcke, auch man es besser wissen sollte.

So zählt zu den Maßnahmen, die Mothers' Union vorschlägt, nicht nur, Herrenmagazine am Kiosk in neutrale Papierumschläge zu stecken oder unzüchtige Musikvideos aus dem Tagesprogramm zu verbannen, sondern auch, Händler dazu zu bewegen, auf unangemessene Kinderkleidung zu verzichten. Auf dem Index stehen beispielsweise schwarze Unterwäsche, gepolsterte BHs und T-Shirts mit anzüglichen Slogans – alles Produkte, die dort derzeit wohlgemerkt für Mädchen angeboten werden, die noch ein paar Jahre von der Pubertät entfernt sind.

So weit, so bizarr. Doch das ganze ist nicht nur eine Frage von Moral und Geschmack, von Mode und Geschlechterrollen – es berührt eine grundsätzliche Frage gesellschaftlicher Freiheit, nämlich wie weit der Staat den Eltern in die Erziehung ihrer Kinder hineinreden darf. Und da wird Kindermode dann plötzlich zu einem brisanten Thema.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben