Neues vom Planeten MODE : Wirklich wichtig!

Grit Thönnissen weiß, wie Designer sich in Berlin bekannt machen können

Grit Thönnissen

Manchmal landen Designer wie unbekannte Flugobjekte in Berlin, sitzen in der abgeschotteten Welt eines Luxushotels und warten auf Journalisten. Zum Beispiel das Ehepaar An und Filip Vandevorst aus Belgien. Im Hotel de Rome kaueren sie auf einem Designersofa, vor sich kleine gepuderte Croissants, schauen dem Aufbau der Laufstegzelte auf dem nahen Bebelplatz zu und erklären gedulig, warum es so spannend ist, Bademoden zu entwerfen, wenn man doch eigentlich dafür bekannt ist, konzeptionell zu sein und als großes Vorbild Joseph Beuys angibt. Und nein, Badeanzüge aus Filz haben sie nicht im Programm, dann würde man ja untergehen.

Einen sehr entspannten Eindruck machen diese im Ausland wirklich sehr ernst genommenen Designer. Wenn man sie fragt, ob ihnen heute ein Interviewmarathon bevorsteht, lachen sie und erzählen von Japan, dem Land der Modeverrückten. Dort saßen sie erst neulich zwei volle Tage und ließen sich von einer Übersetzerin die immer gleichen Fragen übersetzen, so dass am Ende diese die Gespräche auch alleine hätte führen können. Das ging natürlich schon deshalb nicht, weil auch Radio und Fernsehen unbedingt wissen wollten, wie es bei den Designern vorangeht.

Wenn man aber zu seinem Berliner Umfeld sagt: „Ich treffe heute wirklich wichtige Designer aus Antwerpen. Die feiern ihr zehnjähriges Jubiläum und gehören zur zweiten Generation der „Antwerp Six“, einer der wirklich wichtigsten Modebewegungen der achtziger Jahre“, erntet man je nach Interessenlage ein abschließendes „Aha“ oder ein gesprächsoffenes „Wer“?

Fragen beantworten die Belgier in Berlin nur nebenbei. Weil wirklich wichtige Designer hier aus einem ganz anderen Grund gebraucht werden: Sie müssen sich um den Nachwuchs kümmern. Immerhin hält Berlin mengenmäßig den Modestudentenrekord. An und Filip entscheiden dieser Tage über die Karriere der Absolventinnen der Modeschule Esmod. Sie sind Präsidenten der Jury, die die Noten für die Abschlusskollektionen verteilt. Danach wissen wenigstens ein paar Berliner, wie wichtig diese beiden belgischen Designer sind.

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