Zeitung Heute : NEUES VON DER CeBIT

JENS IHLENFELD ANDREAS DONATH

Strahlende Bilanzen und stürmisches Wachstum verspricht die Computer- und Telekommunikationsbranche zum Auftakt der weltgrößten Computermesse CeBIT 99.Denn die Informationstechnik und Telekommunikation soll in diesem Jahr zum ersten Mal in Deutschland den Automobilmarkt mit mehr als 200 Milliarden Mark Umsatz überholen.Am Mittwoch zur CeBIT-Eröffnung in Hannover kritisierten Bundespräsident Roman Herzog, der BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und führende Branchenverbände einmütig, daß der Staat und das Bildungssystem hinter der rasanten Entwicklung hinterherhinkten.Deshalb forderten sie eine Offensive in Richtung neue Medien und Technologien.

Aktuelle Studien zum Thema "Online-Markt" jedoch widersprechen sich: Die einen sagen den Deutschen nach, daß sie Online-Shopping-Muffel seien und dies auch bleiben wollen.Andere Umfragen versprechen einen regelrechten Boom.Letzteres prophezeien die Auguren der GfK Medienforschung, die hochgerechnet haben, daß in den letzten zwölf Monaten ungefähr 2,2 Millionen Menschen online eingekauft haben.Der Studie zu Folge tummeln sich mittlerweile 8,4 Millionen Deutsche im Netz der Netz.

Während Start-Ups wie Amazon.com oder Yahoo ihren Platz in diesem Markplatz der Zukunft bereits gefunden haben und damit die Erwartungen der Börsianer beachtlich steigern konnten, versuchen die Konzerne zunehmend Anschluß zu gewinnen.So eröffnete Bertelsmann im Januar diesen Jahres mit bol.de einen E-Commerce Bücherladen im deutschen Internet und ist bemüht, die von amerikanischen Anbieter Amazon.com gesetzten Standards zu erreichen.Bertelsmann rechnet mit einem Gesamtumsatz von einer Milliarde Mark - allein durch Buchverkäufe im Internet.In den USA drängen mittlerweile große Computer- und Softwarehersteller wie Compaq und Microsoft mit eigenen Shops auf den Markt und versuchen sich zunehmend im Geschäft mit dem Endkunden.Auch wenn die großen Konzerne mit enormen Aufwand auf den neuentdeckten Markt drängen, stehen Sie in direkter Konkurrenz zu bereits im Internet etablierten Nischenanbietern.

Die Online-Läden werden natürlich immer professioneller: Weg von der primitiven Listen und der Bestellung per Email, hin zu personifizierten, und attraktiven Verkaufsangeboten.Wenngleich viele Angebote elektrifizierten Papierkatalogen ähneln, sind E-Commerce Pioniere bereits dazu übergegangen, dem Kunden das Einkaufen durch neue Techniken zu erleichtern.Softwareprogramme, sogenannte Agenten, informieren den Kunden über neue Produkte, vergleichen Preise und Lieferbedingungen und checken schon mal die Interessen und das Kaufverhalten der Kunden ab, um passende Angebote an exponierten Bildschirmstellen abzubilden.

Von der Ersatztinte für den Drucker bis hin zum Urlaubsführer für die gebuchte Reise präsentieren die Shops dem Kunden individuelle Angebote.Aber nicht nur den Bedürfnissen des Einzelhandels werden die Systeme gerecht.So setzt der Berliner EDV-Disttributor more! (www.more-computer.de) auf ein speziell entwickeltes Verkaufssystem, das dem Kunden die Möglichkeit zu Preisverhandlungen bietet.Angefangen beim virtuellen und kostenlosen Tante-Emma Laden ( www.mietshop.de ) über hochkomplexe Lösungen, die ganze Warenwirtschaftssysteme ansteuern können ( www.beans.de ) gibt es zu exorbitanten Summen speziellen Lösungen für Großunternehmen, wie zum Beispiel die Produkte der deutschen Firma Intershop.

Oft erwarten Internetkäufer trotz selbstgewählter Bildschirmdistanz eine schon fast freundschaftliche Beziehung vom Verkäufer, der sich kritisch und ehrlich mit den Belangen, Wünschen und vor allem den Fragen des Interessenten auseinandersetzt.Wer diese Anforderungen erfüllt, und ständig auf die Wünsche der Käufer eingeht wird allerdings mit einer loyalen und weiterempfehlenden Kundschaft belohnt.Um nicht selber durch leidvolle E-Commerce Erfahrungen lernen zu müssen haben mittlerweile zahlreiche Agenturen Trainings- und Beratungsangebote hervorgebracht und vermitteln das Spektrum der Marketingmöglichkeiten.Dabei sollte man den Zeitaufwand, den der Aufbau eine Online-Dependance verlangt, nicht unterschätzen.Insbesondere im Geschäftskundenbereich kann eine E-Commerce Lösung zur Zeit die persönliche Kommunikation nicht ersetzen.

Ein Problem haftet allen Lösungen bislang an: Die Bezahlung der Waren oder Leistungen über das Netz.Die Abrechnung über Kreditkarten schließt große Teile der bundesdeutschen Bevölkerung aus, haben doch nur gut sechs Prozent der Deutschen eine Kreditkarte.Durch die hohen Provisionszahlungen an die Kartengesellschaften ist die Abbuchung kleinerer Beträge außerdem schlichtweg zu teuer.Dieses Problem haben die Banken erkannt und entwickeln neue Zahlungssysteme wie CyberCash, E-Cash oder DigiCash, mit denen vom Konto aus auch Minimalbeträge sicher transferiert werden könne.Doch durchsetzen konnte sich bislang keines der Systeme.So bleibt dem E-Commerce-Aspiranten neben der Kreditkartenbuchung die klassische aber teure Nachnahmesendung oder die auf Seiten des Versenders Vertrauen voraussetzende Rechnungslieferung.Am sinnvollsten hat sich in Deutschland das Bankeinzugsverfahren erwiesen, da es eine Risikoteilung für Verkäufer und Käufer beinhaltet: Der eine kann den Betrag zurückbuchen lassen und der Händler besitzt Lieferanschrift und Bankdaten des Käufers.

Ganz ausschließen läßt sich das Betrugsrisiko nicht, aber Schurkereien gibt es ja nicht erst seit dem Internet-Zeitalter.

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