Zeitung Heute : Neues von "Melissa"

Ohne sichtbare Erregung und schweigsam stand der junge Amerikaner David Smith, der mit dem Computervirus "Melissa" rund um die Welt Verteilersysteme der elektronischen Post (E-Mail)lahmgelegt haben soll (wir berichteten), erstmals vor Gericht.Nach der Anhörung am Donnerstag in Freehold im US-Bundesstaat New Jersey kündigte der Anwalt von Smith an, daß sein Mandant wahrscheinlich auf unschuldig plädieren werde.Eine offizielle Anklageerhebung steht noch aus.Bei dem ersten Termin vor Gericht ging es um den Ablauf des Verfahrens.

Dem als kontaktscheu geltenden Computerfreak aus der Ortschaft Aberdeen droht wegen Störung des öffentlichen Kommunikationssystems, Diebstahls von Computerdiensten und widerrechtlichen Eindringens in Computersysteme eine Höchststrafe von 40 Jahren Gefängnis.

Smith-Anwalt Edward Borden charakterisierte den Programmierer als einen intelligenten Mann, der von den Behörden fälschlich belastet werde.Borden meinte auch, wer immer "Melissa" ins Internet entlassen habe, sollte nicht als "internationaler Cyber-Terrorist" verfolgt werden, auch wenn der Scherz vielleicht nicht ganz harmlos gewesen sei."Die wirkliche Frage ist, ob wir es mit etwas ähnlichem wie einem Graffiti-Künstler statt mit einem internationalen Cyber- Terroristen zu tun haben."

Smith, der gegen eine Kaution von 100000 Dollar auf freiem Fuß ist, war von der Polizei nach einer weltweiten Fahndung verhaftet worden.Zuvor war es mit Hilfe der Bundeskriminalpolizei FBI und Experten von America Online gelungen, die Telefonverbindung ausfindig zu machen, über die "Melissa" erstmals ins Internet gelangte.Die Leitung führte in die Wohnung von Smith.

Das Virus, das Smith nach einer Nackt-Tänzerin benannt haben soll, hat sich nach Einschätzung von Experten so schnell ausgebreitet wie bisher kein anderes in der Computer-Geschichte.Mehr als 300 Unternehmen sollen betroffen gewesen sein, darunter Microsoft, Intel und Boeing und die US-Marineinfanterie.

"Melissa" hat nach Experten-Meinung wegen seines Kettenbrief-Prinzips eine neue Phase der Sabotage im Datennetz eingeleitet.Der Computer-Virus zerstört oder ändert keine Daten, kann aber E-Mail-Systeme auf den PCs durch die massenhafte Ausbreitung infizierter Botschaften ohne Probleme lahmlegen.

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