Zeitung Heute : Neues Windows: Betriebssystem soll Kriegsschiff steuern

Konrad Lischka

Was braucht es, um ein Kriegsschiff zu steuern? 350 Soldaten beim US-Zerstörer USS McFaul. Auf seinem Nachfolger, dem für 2008 angekündigten "smart ship" USS Zumwalt sind es nur noch 90 Soldaten - und wahrscheinlich ein auf Microsofts Windows 2000 basierendes Betriebssystem. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die US-Marine auf dem Vorläufer des smart ship, dem 2007 fertigzustellenden Flugzeugträger CVN 77 einen Nachfolger von Windows 2000 einsetzten wird. Ein Sicherheitsrisiko, finden Kritiker. Die Marine erhofft sich Effizienzsteigerung. "Windows 2000 und die darauffolgenden Systeme werden die Kosten für Personal, Wartung, aber auch die Beschaffungskosten reduzieren", ist sich Rich Lockwood sicher, dessen Firma den Unterauftrag an Microsoft vergeben hat.

Erfahrungen mit Microsoft Produkten hat man auf dem Flugzeugträger USS Yorktown gesammelt, der seit Ende 1996 ein mit Windows NT 4.0 betriebenes LAN-Netzwerk für Brücke, Schadenskontrolle, Technik und Wartung einsetzt. Dadurch konnten laut Marine 50 Arbeitsplätze und 2,5 Millionen Dollar jährlich eingespart werden. Für die Informationsbeschaffung und Überwachung auf der Brücke sind statt vormals 13 nur noch drei Soldaten nötig. Zudem kann im Notfall das Schiff über das Netzwerk von 15 Orten aus gesteuert werden.

Angst vor neuem Zwischenfall

Kritiker sehen im Einsatz von Microsoft-Standardsoftware eine Gefahr für die Sicherheit. "Windows NT, das bekanntermaßen einige Fehler hat, auf einem Kriegsschiff einzusetzen, ist das gleiche wie zu hoffen, dass Glück sei auf unserer Seite", kritisierte Anthony DiGorgio den 1996 als erste Stufe des smart ship Programms begonnen Einsatz von Windows NT 4.0 auf Flugzeugträgern wie der USS Yorktown. Ein Zwischenfall, der sich am 21. September 1997 am Kap Charles vor Norfolk ereignete, stützt seine Aussagen. Der Prototyp des smart ship, die USS Yorktown fuhr Routinemanöver. Ein Überwachungsprogramm zeigte ein Treibstoffventil als geöffnet an, das jedoch geschlossen war. Um das Problem schnell zu übergehen, tippte ein Offizier einen Nullwert in die Schiffsdatenbank. Der Versuch, durch Null zu dividieren, ließ dann in wenigen Minuten das Schiffsnetzwerk zusammenbrechen.

Was danach geschah, stellen offizielle und inoffizielle Quellen unterschiedlich dar: Der damals kommandierende Offizier der Yorktown behauptet, die Yorktown sei mit Notstrom in den Hafen von Norfolk gelangt. Die Yorktown habe fast drei Stunden tot im Wasser gelegen, schreibt hingegen das zur Washington Post Gruppe gehörende Magazin "Goverment Computer News (GCN) im November 1998. Danach musste sie in den Hafen geschleppt werden, sagt Anthony DiGirogio: "Es dauert zwei Tage, das Problem wieder zu lösen. Es gab in der Vergangenheit ähnliche Ausfälle, bei denen das Schiff in den Hafen geschleppt werden musste."

Microsoft weist Kritik zurück

Microsoft weist jede Verantwortung von sich. Nicht NT habe zum Systemausfall geführt, sondern die Systemadministratoren der Yorktown, deren Aufgabe es doch sei, zu verhindern, dass eine Anwendung Fehler übers Netzwerk verbreitet. Kritiker teilen diese Ansicht nicht. Gil Young, Netzwerkingenieur für eine US-Firma urteilte in GCN: "Egal, welches Betriebssystem, welchen Computer, welche Anwendung ich benutzte - ich sollte eine Null eingeben können ohne dass der Computer abstürzt." Ron Redman, ein technischer Leiter bei der US-Marine macht Windows NT für zahlreiche Softwareausfälle auf der Yorktown verantwortlich: "Unix ist das bessere System für Kontrolle von Ausrüstung, NT hingegen für Datentransfer. NT ist nicht ganz ausgereift, es gab einige Ausfälle wegen des Systems." Probleme anderer Art hat man auf dem US-Zerstörer USS McFaul. Das NT Netzwerk des smart ship Vorläufers ermöglicht es der Crew, mit Standardsoftware im Netz zu surfen. Vorsorglich sind Seiten mit "Erwachseneninhalt" gesperrt.

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