Zeitung Heute : New Economy: Das Geld muss stimmen

Bei Bewerbern für die Internet Economy ist di

Bei Bewerbern für die Internet Economy ist die Zeit der Dotcom-Illusionen vorbei, sie erwarten Jobsicherheit verbunden mit der Möglichkeit, an dynamischen Prozessen teilzuhaben. Dies ergab eine Studie der Jobvermittlungs-Plattform rarecompany, die die Erwartungen an die Internet Economy aus Bewerbersicht analysiert. Grundlage der Studie sind Befragungen junger Fachkräfte zwischen 25 und 30 Jahren. Zu den Hauptergebnissen der Studie zählt: Das Interesse an einem Berufseinstieg in der Internet Economy ist weiterhin groß, doch das Dotcom-Sterben hat die Erwartungen der Bewerber verschoben. In erster Linie zählt für die Jobsuchenden jetzt ein solides strategisches Unternehmenskonzept. Flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten sind von zweitrangiger Bedeutung. Die veränderten Einstellungen zeigen sich auch in den Gehaltsvorstellungen. Jeder Dritte der Befragten favorisiert ein Durchschnittsgehalt mit Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Folge der Börsenabstürze hochgejubelter New Economy Unternehmen: Aktienoptionen als Anreiz sind bei den Bewerbern out. Peter Knapp (37), Deutschland-Chef des amerikanischen Softwarehauses Broadbase, hat zahlreiche New Economy-Unternehmen auf der Kundenliste und den Stimmungswechsel der vergangenen Monate genau mitbekommen.

Herr Knapp, was macht die New Economy für Berufseinsteiger so interessant?

Das Geld, das sagt aber niemand deutlich.

Das meinen Sie nicht im Ernst.

Aber doch. Natürlich spielt auch die Entscheidungsfreiheit in den jungen dynamischen Unternehmen eine Rolle - und das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen. So ein Betriebsklima bekommen Großkonzerne nicht hin. Dort kommt man auch nicht so früh in Verantwortung. Hauptattraktion für viele Bewerber sind aber nach wie vor die Aktienoptionen.

Immer noch?

Berufseinsteiger beobachten heute den Markt sehr viel kritischer, kennen die Pleite- und Todeslisten. Sie entscheiden sich für die Unternehmen mit Perspektive. Sie hoffen auf das große Geld und lernen nebenbei Teamfähigkeit, Verantwortung und soziale Kompetenz. Sobald sich die Prognosen für den Arbeitgeber verdunkeln, sind sie aber wieder weg.

Wohin?

Viele versuchen sich selbstständig zu machen, andere wiederum wechseln zu etablierten Arbeitgebern - also in die Old Economy. Dort sind sie gefragt, weil sie statt in Seminaren in der Praxis gelernt haben, wie man problemlösungsorientiert arbeitet.

Damit sind sie auch ideale Kandidaten für Dienstleister wie Sie.

Wir gehören zu den so genannten Bösen, die ihre Mitarbeiter von den Großen wegkaufen. Wir stellen nur Leute mit Joberfahrung ein. Wir bekommen sie, weil wir höhere Gehälter als die Old Economy zahlen und Aktienoptionen wie die New Economy bieten. Als US-Unternehmen sind wir an der Nasdaq notiert, dort sind die Kurse fünf Mal höher als beim Neuen Markt. Deshalb können wir auch einem 30-Jährigen schon ein Jahresgehalt von über 100 000 Mark bieten.

Es geht also wirklich vor allem ums Geld?

Jeder weiß, dass Geld auf Dauer kein besonders guter Motivator ist. Aber andererseits ist der Job im Internet-Geschäft auch wirklich hart. Das Einkommen muss stimmen. Wer über gefragtes Fachwissen verfügt und auch noch mit Sozialkompetenz und Berufserfahrung aufwarten kann, verkauft sich so teuer wie der Markt es hergibt. Ich sehe daran überhaupt nichts Falsches.

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