Zeitung Heute : New York: Bei Jackie O. im Kleiderschrank

Stefanie Bisping

Mit 31 Jahren wurde Jacqueline Kennedy die First Lady der USA. Ihr Bild brannte sich der Nation ein: Jackie im pastellfarbenen Kostüm, einen winzigen Hut auf dunklem Haar, ein puppenhaftes Lächeln im breiten, beruhigend symmetrischen Gesicht, Jackie mit Pelzmuff und Perlenkette, Jackie mit den Kindern Caroline und John-John; schließlich Jackie, wie sie sich im Fond des Cabrios über ihren Mann wirft, nachdem in Dallas die tödlichen Schüsse gefallen waren. Die Ausstellung "Jacqueline Kennedy: The White House Years" feiert nun, was überdauert hat: ihre Garderobe.

Interviews, Briefe und die Menükarten von Staatsbesuchen runden die Ausstellung ab, zu deren Eingang sich schier endlose Schlangen durchs Metropolitan Museum of Art winden. Die Exponate beleuchten eine Ära, in der eine Präsidentengattin, die heute wohl Ms. Jacqueline Bouvier Kennedy hieße, Mrs. John F. Kennedy war, und ihrer Schwester Listen mit Dingen schickte, die im Weißen Haus "verzweifelt gebraucht" würden - Vorhänge, Tischdecken, Teppiche.

Ihre Obsession mit Dekoration überdauerte auch ihre nächste Ehe mit dem reichen Reeder Aristoteles Onassis: Als sie später erst für Viking Press, dann für den Verlag Doubleday & Company arbeitete, setzte sie ihren Schwerpunkt auf Ausstellungskataloge, die sich mit Kleidern und Kostümen beschäftigten. Die in Interviews konservierte schleppende Sprechweise und das strikt monothematische Gerede über ihren Mann verleiten aus heutiger Sicht dazu, an ihren Geistesgaben zu zweifeln. Damals fanden sie ein begeistertes Echo. So machte die Tageszeitung "The West Virginia Hillbilly" am 3. März 1962 mit der Schlagzeile auf: "Danke, Mrs. Kennedy, dass Sie Millionen Amerikanern gesagt haben, was wir schon so lange wissen: dass in West Virginia das beste Glas der Welt gemacht wird." Der Rest sind Roben.

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