Zeitung Heute : Nicht alle Männer wollen nur das eine

Gundula Hoburg und Michael Becker verkaufen Geschenke für das starke Geschlecht.

Bis Weihnachten ist es zum Glück noch ein Weilchen hin. Aber der ein oder andere Geburtstag von Schwiegervater, Bruder oder Ehemann, das Dienstjubiläum eines Kollegen oder der Hochzeitstag steht bis dahin sicher noch an – und damit die Frage: Was schenkt man einem Mann?

Seit zehn Jahren beschäftigen sich Gundula Hoburg und ihr Mann Michael Becker beruflich mit dieser kniffeligen Frage. Damals eröffneten sie in einem ehemaligen Trödelgeschäft an der Kreuzberger Bergmannstraße ihren Laden „Herrlich“, ein Geschäft für Männergeschenke.

Die gelernte Erzieherin und der ehemalige Sozialarbeiter leben selber im Kiez und trugen schon lange die Idee mit sich herum, ihre Berufe für einen eigenen Laden an den Nagel zu hängen. „Wir hatten auf dem Winterfeldtplatz einen Stand mit natürlichen Körperpflegeartikeln, darunter auch Rasierpinsel“, sagt Michael Becker. „Viele Frauen fanden damit endlich mal ein sinnvolles Geschenk für ihre Männer. Da haben wir uns gedacht: Da muss es doch noch mehr Dinge geben, mit denen man Männer glücklich machen kann.“

Rasierseife und -pinsel aus Dachshaar mit passendem Aftershave stehen heute auch in den Vitrinen des Ladens. Auf den Tischen liegen Taschen, Rezeptbücher von Spitzenköchen, passend dazu scharfe Messer und Knoblauchroller. Es gibt hippe Stadtführer, Kulturtaschen, Backgammonspiele, Morgenmäntel, schlichte Notizbücher, edle Stifte und vieles mehr. Richtig voll wird der Laden, wenn Kult-Kolumnist Harald Martenstein vor Publikum liest oder wenn ein Barbier aus Köln anreist, um Kunden zu rasieren.

Das Sortiment zusammenzustellen war nicht einfach. Gundula Hoburg erinnert sich noch lebhaft an einen Vertreter, der sie in ihrer Wohnung im sechsten Stock besuchte. Im Gepäck hatte er T-Shirts mit dummen Sprüchen wie „Bier formte diesen wunderbaren Körper“ und Aschenbecher in Penis-Form. „Das war genau das, was wir nicht haben wollten. Wir wollen die Männer ja schließlich nicht veräppeln“, sagt sie. Den Vertreter schickte sie wieder nach Hause.

Inzwischen besuchen sie und ihr Mann regelmäßig Messen und halten in Paris, London oder Dänemark nach Produkten Ausschau, die Männern Freude machen. Nicht immer sind sich Frau Hoburg und Herr Becker einig. Zum Beispiel konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Männer über Teddys freuen. Doch hier bewies er den richtigen Riecher. Die Kuscheltiere mit ihren frechen Gesichtern sind ein Verkaufshit.

In den letzten zehn Jahren hat sich das Sortiment verändert. Eine Papa-Ecke ist dazugekommen. Hier finden sich Bücher und Accessoires für Väter und ihre Kinder. „Wir merken auch, dass Männer mehr Farbe bevorzugen als früher“, sagt Michael Becker. „Es ist nicht mehr nur alles blau, grau und schwarz.“ Neulich kaufte ein Ehepaar einen Mülleimer in Pink – und zwar für ihn. „Das eine Geschenk für den Mann gibt es nicht“, sagt Gundula Hoburg. „Ich denke, es ist wichtig, dass man sich Gedanken über die Hobbys und Interessen des Geburtstagskinds macht. Das gibt ihm das Gefühl, dass er ernst genommen wird.“ Wenn Kunden eine Beratung wünschen, lässt sie sich erst einmal etwas über den Mann erzählen. Wie alt ist er? Was macht er in seiner Freizeit? Reist er gerne? Sobald sie ein inneres Bild vor Augen hat, schaut sie sich im Laden um und sucht ein paar mögliche Geschenke zusammen. Meist hat sie den richtigen Riecher und es ist etwas dabei.

Was macht es überhaupt so schwierig, Männern etwas zu schenken? „Ich glaube, besonders schwierig ist, dass sich die meisten ihre Wünsche selbst erfüllen“, sagt Gundula Hoburg. Sie kennt das Problem von ihrem eigenen Mann. Der kaufe sich zwar nicht oft etwas, aber wenn ihm etwas gefällt, dann nehme er es einfach mit. Wenn dann der Geburtstag oder Weihnachten vor der Tür stehen, heißt es nur: „Du brauchst mir nichts schenken, Schatz. Ich hab doch schon alles.“ Vielen Frauen dürfte dieser Satz bekannt vorkommen.

Michael Becker glaubt, sein Geschlecht sei einfach zu faul, um sich groß Gedanken zu machen. Übrigens geht es nicht nur Frauen so, dass sie über Geschenkideen grübeln. Auch den Geschlechtsgenossen fällt oft nichts ein. Sie kommen in letzter Zeit immer häufiger in den Laden. Einige beschenken sich dann gleich selber.

„Männer sind sehr unterschiedlich. Als Schenkender sollte man sich nicht dem Druck aussetzen, immer ins Schwarze treffen zu müssen. Man sollte sich freuen, wenn der Beschenkte so ehrlich ist zuzugeben, dass er mit dem Geschenk nichts anfangen kann“, sagt sie. Sehr kulant ist der Laden, wenn es darum geht, Geschenke umzutauschen. Gundula Hoburg schenkt ihrem Mann meist einen gemeinsamen Tag oder Abend, an dem sie etwas Schönes unternehmen.

Auch in Prenzlauer Berg kann man seit einigen Jahren Geschenke für Männer kaufen. Den Laden „Männergift“ in der Schönhauser Allee 66/67 hat Fernando Fonseca eröffnet. Messer – ob zum Kochen oder Schnitzen – kaufen seine Kunden gerne. Aber auch Taschen aus recyceltem Linoleum oder Feuerwehrschläuchen gehen gut: Männer mögen es, wenn Dinge eine Geschichte erzählen. Auch er findet: „Es gibt kein Geschenk, das alle Männer glücklich macht.“

„Herrlich“ in der Bergmannstraße 2 in Kreuzberg feiert das zehnjährige Jubiläum am 8. August mit Sekt, Häppchen und einer Charity-Aktion. Der Erlös kommt dem Väterzentrum in Prenzlauer Berg zugute.

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