Zeitung Heute : Nicht alles anders, aber vieles schlechter

Der Tagesspiegel

Von Thilo Wydra

„Poirot, Madame, Hercule Poirot. Und bitte: belgischer Schnüffler, wenn schon, nicht französisch!“ Am trefflichsten hat diese süffisante Selbstbespiegelung noch immer Sir Peter Ustinov geboten, wenn es galt, die ach so unwissenden Menschen darüber aufzuklären, wie man ihn denn nun korrekt ausspricht, den Namen des belgischen Meisterdetektivs aus Agatha Christies Feder. „Tod auf dem Nil“ (1978) und „Das Böse unter der Sonne“ (1982) sind längst Filmgeschichte – großes Ausstattungskino mit heute schier undenkbarem, weil unbezahlbarem Staraufgebot. Aber es gibt da noch eine unvergessliche Christie-Adaption: Sidney Lumets „Mord im Orient Express“ (1974), in dem es leider nicht Ustinov ist, der „die kleinen grauen Zellen“ bemüht, sondern ein humpelnder Albert Finney. Und auch hier wieder Namen über Namen, der alte Orient-Express droht vor hochkarätigen Stars beinahe zu zerbersten: Ingrid Bergman, Sean Connery, Anthony Perkins, Richard Widmark…

Und nun ist es also soweit, eine Neuverfilmung steht an, „Agatha Christie: Mord im Orient Express“ (Ostersonntag, 21 Uhr 50, ZDF), und sie wird vom Sender vollmundig als eines der Oster-Highlights angekündigt. Man dürfte die originalen Kino-Adaptionen eben nicht kennen. Denn diese amerikanische Fernseh-Produktion, zeitversetzt ins Heute, Hier und Jetzt mit Laptop, Palm und Handy, sie verspricht viel, hält aber wenig.

Regisseur Carl Schenkel, der mit Filmen wie „Abwärts“ (1984) Gutes inszenierte, lag bei diesem modernisierten Poirot-Film ein denkbar undankbares Drehbuch (Stephen Harrigan) vor, bei dessen Dialogen sich die Christie im Grabe herumdrehen würde. Auch mit der Besetzung ist es so eine Sache: Alfred Molina, aus englischen Kinofilmen bekannt, zuletzt in Lasse Hallströms „Chocolat“, spielt den Meisterdetektiv, der mit einer türkischen Diebin liebäugelt. Immerhin sind Leslie Caron und Peter Strauss mit an Bord, wenngleich es letzteren bald erwischt, spielt er doch den gehassten Ratchett, der den Messerstichen aller miteinander verschworener Reisender erliegt. Und, ja, zwei Deutsche sind auch dabei: Kai Wiesinger in einer Nebenrolle – und Fritz Wepper. Er spielt an Molinas Seite eine durchaus tragende Rolle, den Chef des Orient-Expresses, Herrn Bouc. Doch irgendwie gibt er auch hier den Harry.

Ostern im ZDF: „Terra X“, dann „Traumschiff“ und „Mord im Orient Express“ – mit dem Zweiten reist man besser…

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