Zeitung Heute : Nicht alles auf eine Karte setzen

Wer Fonds kauft, sollte neben dem deutschen auch ausländische Märkte berücksichtigen

Verena Csizi

Investmentfonds - nein danke? Ein Blick auf die Summen, die deutsche Anleger in Fonds investiert haben, lässt dies auf den ersten Blick vermuten. Während das Fondsvermögen pro Kopf in den USA bei knapp 21 000 Euro, in Frankreich bei knapp 17 000 Euro und in Italien noch bei 6500 Euro liegt, hat der Durchschnittsdeutsche nur rund 5600 Euro Investmentanteile im Depot. Zu Unrecht, wie langfristige Gewinnbilanzen untermauern: In den vergangenen 20 Jahren erwirtschafteten deutsche und europäische Aktienfonds, aber auch Renten- und Immobilienfonds im Schnitt ansehnliche Renditen. Nach einer Statistik des Branchenverbandes Investment und Asset Management (BVI) warfen deutsche und europäische Aktienfonds seit 1985 (Stichtag 31. März 2005) jährlich acht beziehungsweise 7,5 Prozent ab. Euro-Rentenfonds und Immobilienfonds blieben zwar deutlich dahinter zurück, schafften auf 20-Jahres-Sicht jedoch immer noch 6,8 beziehungsweise 5,6 Prozent im Jahr. Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich um Durchschnittswerte.

Abhängig vom Geschick des Fondsmanagers sind deutlich höhere und – leider – auch deutlich niedrigere Renditen erzielt worden. Nicht berücksichtigt sind in den Zahlen zudem die Kosten des Fondskaufs, also vor allem die Depotgebühren und die so genannten Ausgabeaufschläge, also jene Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreis, die je nach Fondsart und Anbieter zwischen weniger als einem Prozent (etwa bei Geldmarktfonds) und höchstens sechs Prozent (bei Aktienfonds) schwanken. Trotzdem: Weder Sparbriefe noch Festgeld haben die Fonds-Renditen auch nur annähernd erreicht.

Die ansehnliche Wertentwicklung hat ihren Preis: Je höher die Rendite, desto höher auch das Risiko des Anlegers. Eine Garantie auf Werterhalt oder gar Wertsteigerung gibt es also nicht, es sei denn, der Anleger kauft einen Fonds mit Kapitalschutz. Den Garantiefaktor gibt es jedoch nicht umsonst, er zehrt also wieder am Gewinn.

Langfristig jedoch, das zeigt erneut die Statistik, werden die Schwankungen der Börsen wieder ausgeglichen. Schwankungsärmer sind dagegen Rentenfonds und Immobilienfonds, die über alle Zeiträume stabil im Plus liegen. Wer in längeren Verlustphasen von Aktienfonds dem Herzinfarkt nahe ist, ist also in diesen konservativeren Fonds besser aufgehoben.

Wegen der auf lange Sicht unschlagbaren Renditen eignen sich Fonds vor allem für den langfristigen Vermögensaufbau, zum Beispiel zur Schaffung einer zweiten Rente. Im Allgemeinen gilt hier: Je jünger der Sparer und je länger folglich der Anlagezeitraum, desto höher kann der Aktienfonds-Anteil im Depot sein, der rendite-, aber auch risikoreichste Fondstyp.

Soll eine größere Summe auf einmal angelegt werden, dann gilt im Allgemeinen die Formel: 100 minus Lebensalter = Aktienanteil. Ein 20jähriger kann also durchaus 80 Prozent des verfügbaren Geldes in Aktienfonds stecken, den Rest in Renten-, Immobilien- oder Geldmarktfonds oder in festverzinsliche Anlagen. Wer in Anlagezeiträumen unter fünf Jahren plant, geht umgekehrt mit Fonds ein hohes Risiko ein. Grundsätzlich gilt: Nie alles auf eine Karte setzen! Wer Fonds kauft, sollte nicht nur in Aktien, Renten und Immobilien streuen, sondern neben dem deutschen auch ausländische Märkte berücksichtigen. Damit lässt sich das Risiko weiter zurückfahren. Da Fonds meist in mindestens 200 verschiedene Aktien oder zahlreiche verschiedene Anleihen investieren, ist das Risiko aber ohnehin deutlich geringer als bei einer Direktanlage in Aktien oder Renten, die der Anleger ja selbst auswählen müsste.

Doch wie findet man den richtigen Fonds unter den weit über 7000 hierzulande zugelassenen Produkten? Zunächst gilt es, sich selbst Klarheit über die eigenen Anlageziele zu verschaffen. Wie lange brauche ich das Geld nicht? Welches Risiko bin ich bereit einzugehen? Wie schätze ich den Markt ein, das heißt, befinden wir uns in einer Phase steigender oder fallender Kurse? Bei der Auswahl der persönlichen Favoriten hilft ein Blick auf langfristige Wertentwicklungs-Tabellen, wie sie vielerorts im Internet zu finden sind (etwa unter www.fondsweb.de oder unter www.comdirect.de). Fonds, die langfristig und kontinuierlich gute Arbeit geleistet haben, sind dabei chancenreicher als Fonds, die vielleicht im letzten Jahr die Konkurrenz geschlagen, dafür aber in den Vorjahren eher bescheiden ausgesehen haben. Hilfreich sind ferner die Bewertungen großer Rating-Agenturen, die regelmäßig Auszeichnungen an die besten Fonds verleihen – und dabei nicht nur die reine Wertentwicklung berücksichtigen. Positiv bewertete Fonds werben in der Regel auch mit diesen Auszeichnungen. Und: Meist sind die von der eigenen Hausbank empfohlenen Produkte nur jene Fonds, die aus der konzerneigenen Gesellschaft stammen. Trotzdem finden sich in unabhängigen Fondsranglisten und Tests (etwa bei Finanztest) auch viele ausländische Produkte auf den vorderen Rängen. Ein Blick über den Tellerrand, vor allem in den amerikanischen und angelsächsischen Fondsmarkt, kann daher nicht schaden. Auch diese Fonds sind problemlos über jede Haus- oder Direktbank zu erwerben.

Nicht zuletzt gilt es zudem, die Kosten zu berücksichtigen. Wer hohe Ausgabeaufschläge zahlt, dazu Depotgebühren und Verwaltungskosten, muss unter dem Strich mit empfindlichen Renditen-Einbußen rechnen. Fazit: Wer erfolgreich in Fonds investieren möchte, muss vor dem Kauf zuerst einmal Zeit investieren.

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