Zeitung Heute : Nicht daran sparen

Der Tagesspiegel

Von Annette Kögel

Wenn Autofahrer miteinander ins Gespräch kommen, haben sie sich meist nicht viel zu sagen. Am ehesten noch so was wie: mein Parkplatz! Meine Abbiegespur! Da reichen wenige Worte, die wir hier gar nicht wiedergeben wollen.

Wenn also ein Mann aus dem Auto stürzt und auf einen zurast, denkt man im ersten Moment schon daran, sicherheitshalber den Rückwärtsgang einzulegen. Doch allein, er kommt in guter Absicht. Sein Parkschein sei noch nicht abgelaufen. Ob die Frau ihn haben und hinter die Windschutzscheibe des Wagens legen möchte? Er wolle auch nichts dafür, ein Dankeschön reiche – und schon gibt der Gönner Gas.

Der muss mit dem verwandt sein, der neulich das Portemonnaie der Kopflosen in Zeitnot schonte. Junge Frau, wollen Sie denn außer Ihrem Geld nicht vielleicht auch noch Ihre EC-Karte aus dem Automaten wieder mitnehmen?

Dieser Mensch muss wiederum jenen kennen, der den gleichen Nachnamen wie die Autorin dieser Zeilen trägt und dereinst in Kreuzberg in derselben Straße nur ein paar Häuser weiter wohnte. Unsereins war schon einige Jahre ausgezogen, der Nachsendeantrag schon längst abgelaufen – und der Postbote hatte den Brief des gleichen Nachnamens wegen vermutlich versehentlich im Briefkasten des Namensvetters in der Muskauer Straße versenkt. Dieser weder bekannte noch verwandte Mann entsorgte das Schreiben nicht einfach im Altpapier, sondern machte die Adressatin ausfindig und gab die Post weiter.

Diese Stadt muss sich jetzt ja in vielerlei Hinsicht einschränken. Aber solche Vorkommnisse sollte sich Berlin nie sparen.

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