Zeitung Heute : Nicht mit Frankreich - G8-Konferenz berät IT-Sicherheit - Microsoft stopft Löcher

Markus Ehrenberg

Eine schnelle Eingreiftruppe auf den Spuren der Computer-Hacker. Verdeckte Ermittler in Chaträumen, die horchen, ob in Netzdiskussionen Illegales geplant wird. Ein Führerschein fürs Programmieren. Nach der Attacke durch den Computer-Liebesvirus "I love you", der nach Schätzungen weltweit 33 Milliarden Mark Schäden angerichtet hat, diskutieren Sicherheitsexperten weltweit darüber, wie man gegen Computersabotage und Hackerangriffe vorgehen soll.

Am weitesten lehnen sich die Amerikaner aus dem Fenster. Sie wünschen sich eine Cyber-Polizei, die die Grenzen der einzelnen Staaten und ihre souveränen Kompetenzen überschreitet. Eine erstaunliche Forderung, wenn man bedenkt, dass es gerade die Amerikaner waren, die sich stets für die Schranken- und Zensurlosigkeit und gegen gesetzliche Regelungen im Internet eingesetzt haben.

Diese Bedenken tragen jetzt die Europäer. Auf der G8-Konferenz der sieben wichtigsten Industrieländer und Russlands stellen sich vor allem die Franzosen einer Bit-Polizei, sogenannten "Cybercops", entgegen. Wie die internationale Zusammenarbeit in Sachen Cyber-Kriminalität aber verbessert werden könnte - darüber schwiegen sich die G8-Experten am Montag und Dienstag in Paris aus. Unterschiedliche Ansichten gab es auch in Sachen Datenschutz. Ein Intel-Sprecher wandte sich gegen die Forderung der Europäer, dass Verbindungsdaten von den Providern drei Monate lang gespeichert werden sollten. Am Mittwoch soll eine gemeinsame Erklärung der G8-Staaten über die Bekämpfung der Cyberkriminalität verabschiedet werden.

Ein interessanter Vorschlag kommt indes aus Berlin. Angesichts zunehmender Sabotagen durch Hacker und Virenprogrammierer hat die Staatssekretärin im Innenministerium, Brigitte Zypries, für ungewöhnliche Fahndungsmethoden der Polizei im Internet plädiert. "Verdeckte Ermittlungen in Chaträumen sind rechtlich derzeit nicht erlaubt. Da aber auch in anderen Bereichen verdeckte Ermittlungen stattfinden, plädiere ich dafür, darüber nachzudenken, ob sie auch für das Internet möglich sein sollen", sagte die SPD-Politikerin in einem Interview.

Zypries sprach sich außerdem für eine Art Führerschein für Hackersoftware aus. "Der Verkauf könnte auf Personen beschränkt sein, die ein berechtigtes Interesse nachweisen." Auch wenn vordergründig die Verbesserung der Computersicherheit durch solche Produkte herausgestellt werde, sei die illegale Verwendungsmöglichkeit erheblich. Wirtschaftsminister Werner Müller meldete sich am Dienstag auch zu Wort und warb bei IT-Industrie und Verbänden für bessere, sichere Produkte.

Die kann er haben - wenn auch etwas zu spät. Microsoft verbessert das E-Mail-Programm Outlook, dessen zu lasche Sicherheitseinstellungen den Computervirus "I love you" geradezu eingeladen haben. Internet-Nutzer können ab kommender Woche im Netz ein entsprechendes Update für Outlook herunterladen (http://officeupdate.microsoft.com). Mit den Änderungen soll die Verbreitung von Viren wie "I love you" oder "Melissa" begrenzt werden. Nach Angaben eines deutschen Microsoft-Sprechers ist noch unklar, wann das Update auch auf Deutsch zur Verfügung steht.

Zu den Änderungen zählt, dass bei den Attachment genannten E-Mail-Anhängseln ausführbare Programme etwa mit den Dateiendungen .exe und .bat in Outlook nicht mehr automatisch gestartet werden. Eine Funktion namens Object Model Guard soll die Anwender in einer eigenen Dialogbox warnen, wenn ein externes Programm versucht, ihre elektronischen Adressbücher zu lesen oder E-Mails selbstständig abzusenden, so wie es "I love you" tat.

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