Zeitung Heute : Nicht nur dem Weihnachtsmann gefällt Himmelpfort

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Von Claus–Dieter Steyer

Himmelpfort. An einem seiner wichtigsten Tage blieb Himmelpfort gestern mehr oder weniger unter sich. Der Schnee hatte das kleine Dorf an der nördlichen Landesgrenze fast eingeschlossen, so dass viele eingeladene Gäste buchstäblich auf der Strecke blieben. Irgendwo steckte auch der Überbringer der Urkunde mit dem schönen Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ fest. Brandenburgs Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß erreichte nicht einmal den Berliner Autobahnring. So feierten die Himmelpforter Einwohner eben allein den laut Bürgermeister Lothar Kliesch nach „jahrelanger Arbeit erreichten Erfolg".

Himmelpfort ist erst der zwölfte Brandenburger Ort mit diesem Prädikat. „Nun hoffen wir, dass die Fördermittel von Bund, Land und EU kräftiger fließen“, zeigte sich der Bürgermeister der 600-Seelen-Gemeinde zuversichtlich. Seit der Wende seien rund fünf Millionen Euro in den Straßenbau, die Kanalisation, ein Klärwerk und in das „Haus des Gastes“ investiert worden. Die gleiche Summe hätten Gewerbetreibende und Einwohner aufgebracht. Dafür gibt es in Himmelpfort immerhin sechs Gaststätten. Allerdings zeigte sich gestern ein Dilemma. Die meisten Lokale öffnen nach wie vor nur in den Sommermonaten. Selbst Ostdeutschlands einziges Weihnachtspostamt, das im Vorjahr mehr als 200 000 Wunschzettel aus aller Welt beantwortete, konnte die Tourismussaison bisher nicht verlängern. „Gastfreundschaft und unternehmerisches Risiko können leider nicht von oben verordnet werden“, erklärte der Bürgermeister mit Augenzwinkern in Richtung seiner Gastwirte.

Fördermittel erhofft sich der Gemeindechef für zwei große Vorhaben. Am Stolpsee sollen ein Hafen für Motorboote, eine Segelschule und ein Kanu-Verleih entstehen. Außerdem sind auf einer Insel 70 kleine Ferienhäuser geplant. Der Ort sucht dafür keine Hotelkette als Betreiber, sondern möglichst private Eigentümer. Sie sollen ihre Häuser vermieten und damit an eine alte Himmelpforter Tradition anknüpfen. Schon in den zwanziger Jahren hatten die Fischer ihre Stuben und Dachwohnungen an Sommerfrischler aus Berlin vergeben. „Familienfreundlichkeit und eine herrliche Natur sind auch weiterhin unser Trumpf“, meinte der Bürgermeister. Sorgen bereitet der Gemeinde deshalb die Sperrung eines 200 Hektar großen Buchenwaldes direkt an der Ortsgrenze. Die Brandenburgische Bodengesellschaft vermutet hier Blindgänger der russischen Armee. „Das ist Quatsch. Die Generäle sind hier nur zur Jagd gewesen“, meinte Kliesch. Er meint, dass Jagd- und Forstinteressen gegen den Tourismus ausgespielt würden. Als „staatlich anerkannter Erholungsort“ verspricht er sich jetzt mehr Gewicht auch in dieser Frage, obwohl die Urkunde des Ministers bislang noch nicht eingetroffen ist.

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