Zeitung Heute : Nicht nur die Blätter treiben es bald bunt

Herbstzeitlose, Krokus und sogar einige Schneeglöckchen-Arten sorgen von September bis in den Winter hinein für Farbe im Garten

Neigt sich der Sommer allmählich dem Ende zu, dann gehören auch einige Blumenzwiebel- und -knollenpflanzen zu den Schönheiten, die dem Garten Farbe verleihen. Nicht immer sehr auffällig, aber dennoch reizvoll, lassen sich mit ihnen in Gemeinschaft anderer Stauden interessante Aspekte schaffen.

Am bekanntesten ist die Herbstzeitlose (Colchicum), die mit 65 Arten in Asien, Europa und Nordafrika verbreitet ist. Bereits Dioskurides (1. Jahrhundert n.Chr.), griechischer Arzt und berühmter Pharmakologe des Altertums, kannte die Herbstzeitlose und nannte sie Colchicum. Der botanische Name ist von der Kolchis abgeleitet, einer Landschaft zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Hier kommt Colchicum speciosum vor, die durch sehr große Blüten auffällt. Sie erscheinen zu mehreren aus einer Knolle im September und variieren in der Farbe von Lilarosa bis Dunkelpurpur. Sehr selten ist bei dieser Art die weißblühende Form ‘Alba’ anzutreffen. Die Art wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals in England eingeführt, blieb aber lange Zeit in Deutschland unbekannt.

Eine alte Gartenpflanze ist dagegen die heimische Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), die bei uns auf Wiesen vorkommt. Sie entfaltet ihre rosalila bis purpurvioletten Blüten von September bis Oktober, während die Blätter, wie bei allen herbstblühenden Arten, erst im Frühjahr erscheinen. Bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird sie als Zierpflanze erwähnt, und schon 1594 kultivierte der Breslauer Arzt Laurentius Scholz in seinem Garten neben der Art mit lilarosa Blüten eine weiße Form. Eine Form mit gefüllten Blüten wird zuerst von Carolus Clusius (1526-1609), niederländischer Arzt und Botaniker, im Jahre 1601 erwähnt. Auch die ersten Arten aus dem Mittelmeerraum wurden im 16. Jahrhundert bereits vereinzelt in Mitteleuropa kultiviert. Dazu gehörte Colchicum byzantinicum, die unserer heimischen Herbstzeitlose ähnelt, aber größere Blüten hervorbringt.

Für den Garten haben sich vor allem Colchicum-Hybriden bewährt, die aus Colchicum speciosum und anderen Arten entstanden sind. Sie haben allgemein große Knollen und stattliche Blüten mit kräftigen Farben. Am schönsten entwickeln sie sich, wenn sie über viele Jahre ungestört wachsen können. Tiefgründiger und durchlässiger, leicht kalkhaltiger Boden sowie ein sonniger Standort sind die besten Bedingungen dafür. Als Pflanzplätze empfehlen sich besonders der Gehölzrand oder ein Pflanzstreifen vor Hecken. Man pflanzt sie gern in Gemeinschaft von Bergastern (Aster amellus), Nachtkerzen (Oenothera missouriensis), Prachtsedum (Sedum spectabile) oder Hohem Herbstsedum (Sedum telephium). Gepflanzt wird im Juli oder August je nach Größe der Knollen zehn bis 20 Zentimeter tief in kleinen Kolonien.

Schöne Sorten der Herbstzeitlose sind ‘Autum Queen’ (weiß, hellviolett netzartig gefleckt), ‘Disraeli’ (weiß, dunkelviolett netzartig gefleckt), ‘Lilac Wonder’ (fliederfarben), ‘The Giant’ (amethystfarben), ‘Violett Queen’ (dunkelviolett) und ‘Waterlily’ (lila, gefüllt).

Allerdings: Herbstzeitlose sind nicht nur recht attraktive, sondern auch giftige Pflanzen. Das Alkaloid Colchicin tritt in der gesamten Pflanze auf und gehört zu den am stärksten wirkenden Pflanzengiften. Allein 1,5 Gramm Samen reichen bei Kindern aus, um zunächst zu Atemlähmung und später zum Tod zu führen. Deshalb sollte in Gärten, zu denen Kinder Zutritt haben, auf die Herbstzeitlose verzichtet werden.

Weniger bekannt sind im Herbst blühende Krokusarten (Crocus), die mit ihren zarten Blüten vor allem in Steingärten eine zauberhafte Wirkung hervorrufen. Da ist vor allem Crocus byzantinus zu nennen, der durch leuchtend himmelblaue, schalenförmige Blüten mit einem Durchmesser von sieben Zentimetern auffällt. Er gilt als wertvollster Herbstkrokus und sorgt von September bis in den Dezember hinein für Abwechslung im Farbenspiel. Er gedeiht am besten, wenn er einen leicht schattigen Standort erhält.

Von August bis September präsentiert Crocus kotschyanus seine lilafarbenen Blütenbecher, die am Grunde gelb gefärbt sind und von zahlreichen dunklen Adern durchzogen werden. Die Art wächst leicht und breitet sich durch Tochterknollen und Samen recht schnell aus.

Die größten Blüten entfaltet der Prachtkrokus (Crocus speciosus), der aus Kleinasien stammt. Seine hellblauen Blüten sind dunkel geadert, werden von dunkelorangen Narben geziert und erscheinen von September bis Oktober. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche attraktive Sorten, die in verschiedenen Farben von Hellblau bis Dunkelblau, Violett und Weiß im Angebot sind. Der Prachtkrokus eignet sich für sonnige Plätze im Steingarten oder auf der Staudenrabatte am Wegrand, blüht aber auch noch im lichten Schatten von Laubgehölzen. Auch niedrige Bodendecker wie Günsel (Ajuga reptans) oder Pfennigkraut (Lysimachia nummularia) bieten sich als Begleiter an.

Glanzlichter unter den Herbstblühern stellen die Sternbergien dar, die mit acht Arten vom Mittelmeerraum bis nach Asien verbreitet sind. Für den Garten empfehlen sich nur Sternbergia lutea und die noch seltenere Sternbergia sicula, da beide ausreichend winterhart sind. Dennoch ist ein Winterschutz mit Fichtenreisig wichtig, weil das Erfrieren der Blätter die Pflanze stark schwächt. Die gelben Blüten erscheinen von Oktober bis November. Da die Sternbergie einen sonnig- heißen Platz benötigt, ist eine nach Süden gerichtete Stelle im Steingarten günstig. Um die Blühfreudigkeit zu erhalten, schützt man den Platz im Sommer durch Folie vor Regen.

Die Palette der herbstblühenden Zwiebel- und Knollenpflanzen umfasst auch zahlreiche weniger bekannte Raritäten, die im Handel schwer erhältlich sind. Dazu gehört Allium callimischon ssp. haemostictum, dessen weiße bis blassrosafarbene, innen rot gefleckte Einzelblüten zu kleinen Dolden zusammenstehen. Die zehn bis 20 Zentimeter hohe Pflanze gedeiht am besten in Kalkschotter an sonnigen Plätzen.

Kaum bekannt sind herbstblühende Arten des Schneeglöckchens, von denen Galanthus regina-olgae ausreichend winterhart ist. Es blüht je nach Wetterlage vom Herbst bis in das Frühjahr und wächst an sonnigen wie halbschattigen Standorten gut.

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