Zeitung Heute : Nicht nur eine Frage der Optik

Ein gerader Stamm fördert die Gesundheit

Der gerade Wuchs ist das A und O bei jungen Bäumen. Er ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, erklärt der Zentralverband Gartenbau (ZVG) in Bonn, sondern bestimmt auch das Wachstum und die spätere Gesundheit des Baumes. In einem gerade wachsenden Baum steigt der Saft optimal. Das heißt, der Leittrieb, also die kräftige, senkrechte Fortsetzung des Stammes, wird am besten versorgt, gefolgt von den unmittelbar darunter liegenden Zweigen. Die unteren Zweige bekommen weniger.

Fachleute nennen das Spitzenförderung. Sie lässt den Baum zügig wachsen und Höhe erreichen. Bei jungen Bäumen, deren Spitzentrieb abgebrochen oder abgefressen wurde, übernimmt meist nach kurzer Zeit der nächst stärkere, nach oben zeigende Zweig die Funktion des Leittriebes. Wachsen dort aber zwei vergleichbar starke Zweige, sollte eingegriffen und einer von beiden unmittelbar am Stamm entfernt werden.

Kritisch sind insbesondere Zweige, die in einem spitzen Winkel von weniger als 45 Grad zueinander stehen. Sie werden zu einem Zwieselbaum heranwachsen. Das mag auf den ersten Blick malerisch erscheinen, gefährdet aber mit zunehmendem Alter die Bruchsicherheit des Baumes. Die beiden Zwieselstämme üben durch ihr Dickenwachstum Druck auf den darunter liegenden gemeinsamen Stamm aus. Sie drücken ihn immer weiter auseinander. Meist entsteht zwischen beiden Stämmen ein Riss, der sich mit Wasser füllt. Fäulnis und Frost vergrößern ihn, bis schließlich einer der beiden Zwieselstämme herunterbricht. Der Baum besitzt dann nur noch seine halbe Krone und gerät völlig aus dem statischen Gleichgewicht. Manchmal, aber längst nicht immer, lässt sich das Baumfragment durch drastischen Rückschnitt retten. Besser aber ist in jedem Fall der Rückschnitt des konkurrierenden Zweiges am noch jungen Baum. dpa

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