Zeitung Heute : Nicht nur für Fledermäuse

Die neuen Tonformate SACD und DVD-Audio bringen gesteigerten Hörgenuss mit Zwei- und Mehrkanalanlagen

-

Jeder kennt CD und DVD, die grundlegenden Speichermedien für Musik und Filme. Doch was verbirgt sich hinter SACD und DVDA? Hat das mit Multikanal zu tun und mit Kabeln, die kreuz und quer durchs Wohnzimmer laufen und womöglich die Großtante zu Fall bringen?

Es sind die Musikspeichermedien der Zukunft, sofern ein wenig Prophetie erlaubt ist. Denn die leidende Musikindustrie verdient zurzeit angeblich schon mit CDs kaum Geld, und ihre Neigung ist deshalb gering, in neue Medien zu investieren. Auch der Fachhandel leistet hinhaltenden Widerstand und überlässt das Geschäft mit den neuen Formaten den Internet-Versendern. Und seit die Stiftung Warentest das unsinnige Urteil verkündet hat, die SACD sei „nur für Fledermäuse“, halten sich viele Konsumenten zurück. Dennoch wird der Plattenkatalog immer umfangreicher, vor allem bei Jazz und Klassik auf SACD, während sich die DVD-A bislang nur mit Wiederveröffentlichungen von Pop- und Rock-Klassikern profilieren konnte. Kombigeräte, die beide Formate beherrschen, machen dies zum akademischen Problem.

Worum geht es? SACD und DVD-A funktionieren im Prinzip wie die CD, allerdings mit einer vielfach gesteigerten Speicherkapazität. Diese Kapazität wird nicht dazu genutzt, mehr Programm hinein zu stecken, sondern die Aufzeichnungspräzision zu erhöhen. Was auf konventionellen CDs oft scharf und komprimiert tönt und von anspruchsvollen Hörern als „Digitalklang“ abgelehnt wird, nähert sich auf den neuen Speichermedien dem Original. Seidige Höhen, verstärkte Raumabbildung, höhere Dynamik, satte Bässe – das sind die Höreindrücke, die bei geeigneten Aufnahmen und geeigneten HiFi-Anlagen auch ohne Direktvergleich mit der CD ohrenfällig werden. Die Ausdehnung des Aufzeichnungsbereichs bis weit über die Hörgrenze, die die Warentester zu ihrem abfälligen Urteil brachte, ist nur ein Teilaspekt.

Diese Vorteile werden durchweg schon mit guten Zweikanal-Anlagen hörbar. Die meisten SACD und DVD-A enthalten aber außerdem eine 5.1-Spur, die die Kanäle einer Multikanal-Anlage versorgt, wie sie viele Film-Freaks längst im Wohnzimmer haben. Der Gewinn an Räumlichkeit ist gewaltig, auch dann, wenn bei der Aufnahme auf vordergründige Effekte verzichtet wurde. Es genügt in diesem Fall, den vorhandenen DVD-Spieler am Multikanal-Verstärker durch ein neues Gerät zu ersetzen, das im Idealfall CD, DVD-Video, DVD-Audio und SACD wiedergibt – die Preise für solche Kombigeräte beginnnen bei etwa 500 Euro. Allerdings ist das kaum sinnvoll, wenn die Multikanalanlage selbst nur die Minimalanforderungen erfüllt und womöglich nur ein Schnäppchen war.

Wer schon einen hochwertigen Stereo-Verstärker besitzt und vorerst keine Neigung hat, das Hörzimmer mit fünf oder sechs Lautsprechern vollzustellen, der investiert mit der Anschaffung eines SACD/DVD-A-Spielers dennoch zukunftssicher, denn nahezu alle aktuellen Geräte bedienen Zwei- und Multikanalanlagen gleichermaßen souverän. Allerdings gibt es auch Geräte für Musik-Perfektionisten, die auf Multikanal- und Bildwiedergabe verzichten können: Der neue Marantz SA 11 beispielsweise bietet für 3000 Euro nichts als SACD- und CD-Zweikanalton. Dies aber in höchster klanglicher Präzision. bm

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben