• Nicht nur Kühlschränke und Waschmaschinen, auch zentralgeheizte Wohnungen müssen sich dem Verbrauchsvergleich stellen

Zeitung Heute : Nicht nur Kühlschränke und Waschmaschinen, auch zentralgeheizte Wohnungen müssen sich dem Verbrauchsvergleich stellen

Andreas Lohse

Seit wenigen Wochen hat auch Berlin einen "Heizspiegel". Damit folgt die Hauptstadt anderen Kommunen wie Dresden, Hamburg oder Kiel. Der Name "Heizspiegel" ist allerdings leicht irreführend, suggeriert er doch eine Nähe zum allseits bekannten "Mietspiegel". Mit diesem Instrument zur Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete hat er aber nichts zu tun. Richtig müsste er heißen "Heizenergie-Effizienz-Ermittlung" - ein Name, den sich kein Mensch merken kann.

Wozu nun ist er gut? Mit dem Berliner Heizspiegel für zentralgeheizte Wohnungen, so der vollständige Name, können Eigentümer, Vermieter, aber auch Mieter prüfen, wie energieeffizient ein Haus ist. Reagiert ein Hausbesitzer auf schlechte Heizwerte im Vergleich zu anderen Häusern beispielsweise damit, dass er sein Haus wärmedämmen oder die Heizanlage erneuern lässt, kann dies helfen, Heizkosten zu sparen und somit die Betriebskosten zu senken - bestenfalls um 50 Pfennig pro Quadratmeter und Monat, errechnete der Berliner Mieterverein.

Auf Grundlage der verbrauchsabhängigen Heizkostenabrechnung lässt sich ein sogenannter "Verbrauchskennwert" eines Gebäudes ermitteln. Diese Zahl, ausgedrückt in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr, kann man dann in einer Tabelle in eine von sieben Kategorien einordnen: von "niedrigem" bis "sehr hohem" Verbrauch. Diese einzelnen Klassen wurden als Vergleichswerte ermittelt, indem rund 130 000 Wohnungen in über 1400 Gebäuden energetisch untersucht und hinsichtlich ihrer Verbräuche berechnet wurden.

Wer sein Gebäude (nicht die Wohnung!) nun in eine Heizenergieklasse einordnen möchte, benötigt dazu dreierlei: die letzte Heizkostenabrechnung, einen Taschenrechner - und etwas Zeit.

So wird gerechnet



Nehmen Sie die Gesamtmenge des Brennstoffes, der in der Jahresabrechnung für Ihr Gebäude angegeben ist und ziehen Sie den Warmwasseranteil ab. Ist der nicht gesondert ausgewiesen, wird aber trotzdem von der Heizzentrale Warmwasser erzeugt, ziehen Sie pauschal 18 Prozent ab (entfällt natürlich beispielsweise bei einem Durchlauferhitzer).

Diesen Heizenergieverbrauch wandeln Sie in Kilowattstunden um. Rechnen Sie: Ein Liter Heizöl mal zehn, ein Kubikmeter Erdgas mal elf, eine Megawattstunde Fernwärme mal 1000 (in manchen Abrechnungen wird der Verbrauch bereits in kWh angegeben).

Teilen Sie das Ergebnis durch die Wohnfläche des Gebäudes.

Bezieht sich die Abrechnung auf das Jahr 1998, rechnen Sie (witterungsbedingt) 15 Prozent hinzu. Für 1997 addieren Sie fünf Prozent, für 1996 ziehen Sie zwölf Prozent ab.

Sie haben nun eine Zahl, die Sie im Heizspiegel einer Heizenergieklasse zuordnen können. Die Klassifizierung reicht von "Null" bis "über 300" (sehr hoher Verbrauch).



Werden hohe Verbräuche erreicht, besteht nach Senatsmeinung Handlungsbedarf. Dann sollte man mit dem Vermieter darüber reden, ob unter Umständen eine energetische Sanierung des Hauses Sinn macht und zu Einsparungen führt. Allerdings ist zu bedenken, dass hohe Verbräuche auch durch das eigene sowie das Heizverhalten der Mitmieter zustande kommen. Wohnungen mit Ofen- oder Gas-Etagenheizung sind nicht im Heizspiegel erfasst. Der Heizspiegel hat keinen rechtlichen Charakter, sondern dient nur der Orientierung.

Für den zuständigen Senator Peter Strieder steht mit dem Werk im Vordergrund, Mietern und Vermietern zu ermöglichen, Kennwerte zu ermitteln, an Hand derer sich der Heizenergieverbrauch von Gebäuden vergleichen lässt. Möglich, dass sich eines Tages ein Mieter seine neue Wohnung nicht nur auf Grund der Lage und Miethöhe aussucht, sondern auch darauf achtet, möglichst wenig Heizenergie zu verbrauchen, mithin weniger Betriebskosten zu zahlen. Es sei ein Einstieg, so Strieder, über "Energiefragen zu reden und über Einsparmöglichkeiten nachzudenken". Und genau darin wittern Vermieter Gefahr. Der Sprecher von Haus & Grund Berlin, Dieter Blümmel, hält den Heizspiegel für "schlicht überflüssig". Wieviel Energie ein Mieter verbrauche, erfahre er schließlich aus der Abrechnung. Auch fürchtet er einen erheblichen Aufwand auf die Vermieter zukommen, wenn Mieter alte Zahlenwerke nachforderten - vielleicht auch ständig über Sanierungswünsche diskutieren wollen.

Beim Berliner Mieterverein ist man demgegenüber der Ansicht, Energieersparnis und Umweltschutz könnten dann wirksam werden, wenn Maßnahmen zur Senkung des Heizenergieverbrauchs in die Wege geleitet würden. Dazu jedoch müsse man die Energieeffizienz eines Hauses zunächst ermitteln - eben anhand des Heizspiegels.Eine Broschüre zum Heizspiegel gibt es bei der Senatsumweltverwaltung, Bürgerberatung, Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin-Mitte, t 90 25 - 11 11. Dort bietet man noch bis zum 31. Dezember 1999 eine kostenlose Auswertung der Heizkosten an. Infos dazu: SenStadtUm, Ref. IV B, Brückenstraße 6, 10179 Berlin-Mitte.

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