Zeitung Heute : Nicht ohne die Amerikaner

NAME

Von Werner Schmidt

Wenn nächsten Mittwoch die Air Force One mit US-Präsident Bush an Bord auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landet, beginnt ein seit Wochen vorbereitetes Sicherheitskonzept abzulaufen. Dutzende von Angehörigen des amerikanischen Secret Service, der für die Sicherheit des US-Präsidenten zuständigen Abteilung, haben in Berlin jede mögliche Schwachstelle im Besuchsprogramm gleich mehrfach überprüft. Das hat nichts mit mangelndem Vertrauen in die die Fähigkeit der Berliner Polizei oder des Bundeskriminalamtes zu tun, versichern die offiziellen Stellen. Inoffiziell dagegen heißt es: „Es läuft fast alles so, wie die Amerikaner es wollen.“

Das Vorauskommando des Präsidenten entscheide, welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen seien, sie lieferten die Vorgaben und akzeptierten beim Thema Sicherheit nur selten Bedenken oder Vorschläge deutscher Seite. Sie geben die Maßnahmen entlang der Fahrtrouten vor. Notfalls werde eine Fahrt schon mal abgesagt, wenn die US-Sicherheitsstandards nicht erfüllt werden könnten. Aber all das wird nur hinter vorgehaltener Hand zugegeben.

Offiziell heißt es: „Wir stehen mit den Amerikanern in engem Kontakt, sie mischen sich in unsere Planung nicht ein und akzeptieren im Wesentlichen unser Konzept. Wir arbeiten kollegial gut miteinander“, wie beispielsweise der Leiter des Vorbereitungsstabs für den Bush-Besuch, Polizeidirektor Gerfried Lindner, sagt. Den direkten Schutz des Präsidenten teilen sich der Secret Service und die für Personenschutz zuständige Abteilung des Bundeskriminalamtes (BKA), die Berliner Polizei übernimmt die Sicherung der Fahrzeugkolonnen. Sollte der Präsident im Auto und nicht im Hubschrauber transportiert werden, fährt ein Keil aus 15 Motorradfahrern der Berliner Polizei voraus. Benutzt Bush einen Hubschrauber, wird der Bundesgrenzschutz (BGS) mehrere Helikopter zur Verfügung stellen. In einem sitzt der Präsident, die anderen dienen als Lockvögel, um von der Bush-Maschine abzulenken.

Alle Orte, an denen Bush sich aufhält, werde hermetisch abgeriegelt. Während des zweitägigen Aufenthalts werde es sogar drei „total abgesperrte Zonen geben“, sagte Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert. Diese werden rund um das Schloss Bellevue, das Kanzleramt und den Reichstag sowie das Hotel Adlon gezogen, in dem George W. Bush wohnt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!