Zeitung Heute : Nichts als Harmonie zwischen "Privaten" und "Öffentlich-rechtlichen" bei den "Tagen der Medienkultur"

tgr

Endlich mal eine gute Nachricht: 15 Jahre nach dem Start des Privatfernsehens haben sich die Gemüter offenbar beruhigt, die alten Streithähne sind friedlicher geworden. "Wir sind nicht mehr so ineinander verbissen", sagte Hans Janke, der stellvertretende Programmdirektor des ZDF, bei den Marler Tagen der Medienkultur im Grimme-Institut. Die Konkurrenz mit den kommerziellen Sendern nannte er "eine sehr verlockende Situation", in der das ZDF neue Kräfte mobilisiert habe und das Programm publikumsfreundlicher geworden sei. Und um die blühende kulturelle Landschaft in Deutschland müsse man sich schon überhaupt keine Sorgen machen. Auch ein Mann wie Helmut Thoma war verhältnismäßig milde gesonnen. Zwar führe der Begriff der Grundversorgung, den das Bundesverfassungsgericht den öffentlich-rechtlichen Sendern als Auftrag mit auf den Weg gegeben hatte, in die Sackgasse, doch ARD und ZDF hätten durchaus ihre Existenzberechtigung. Privatsender würden niemals eine Serie wie "Klemperer" zeigen oder "sich um die Belange der Alten kümmern - weil sie es nicht bezahlt bekommen", meinte der ehemalige RTL-Chef. Auch für die europäische Identität seien öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten von Bedeutung.

Bei soviel Schönrednerei wollte in Marl zum Thema "Gesellschaft zwischen Kommerz und Kultur - Visionen zur Zukunft eines gemeinwohlverpflichteten Rundfunks" keine rechte Stimmung aufkommen. Die Friede-Freuen-Eierkuchen-Atmosphäre hätte vielleicht der französische Soziologe Piere Bourdieu stören können, doch der war erkrankt und musste absagen. Die Kritik des streitbaren Intelektuellen, der noch vor wenigen Wochen vor Medienunternehmern in Paris den "Vorrang des Kommerziellen" und "Die Herabsetzung der Kultur zu einer Handelsware" (laut "taz"-Übersetzung) gegeisselt hatte, fand so kaum Widerhall.

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