Zeitung Heute : Nichts gibt’s, was es nicht gibt

Berlin ist die Stadt der abertausend Chancen – hier ist der Beweis dafür!

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Von Gerd Appenzeller

Warum um alles in der Welt haben die Deutschen allgemein und die Berliner im ganz Besonderen eine so fatale Neigung, den Himmel immer schwarz zu malen? Ist die große Klappe dieser Stadt vielleicht nur in der Paarung mit viel Pessimismus gerade noch erträglich? Das gibt es, leider, aber – und das ist nun die gute Nachricht – es macht sich längst nicht mehr so nervig bemerkbar wie noch vor wenigen Jahren. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Es gibt so viele Indizien für eine Mischung aus gesundem Selbstbewusstsein und zupackendem Optimismus, dass man darüber eigentlich mal schreiben müsste, hört man von neu Zugezogenen immer wieder.

Sollte, könnte, müsste – der Tagesspiegel präsentiert mit dieser Sonderveröffentlichung heute eine geballte Ladung Tatkraft. Wir berichten über Unternehmen, Geschäfte und Dienstleister, die Neues angefangen haben in dieser Stadt und die trotz schwieriger Zeiten nicht das Zutrauen zu sich selbst und ihrer Idee verlieren. Viele von ihnen stellen sich auch selber vor.

Diese Beilage ist ein gutes Zeichen, ein Mutmacher. Sie zeigt, dass es in Berlin nichts gibt, was es nicht gibt. Wo mehr als drei Millionen Menschen aus vielen Ländern zusammenleben, können Ideen auf fruchtbaren Boden fallen, die sonst nirgendwo eine Chance hätten. Und wenn sich jemand morgen mit einer Zeitungsbügelei niederlassen wollte, würde auch er seinen Platz finden... Wissen wir doch, dass sich englische Lords, ihre Zeitung morgens bügeln lassen, damit sie bei der Lektüre nicht abfärbt. Lords ham wa nich, aber Zeitungen und Zeitungsleser jede Menge.

Man traut sich wieder was

Was die fast 100 Seiten, die Sie mit dem heutigen Tagesspiegel erhalten, auch widerspiegeln: Berlin ist eine dynamische Stadt. Im vergangenen Jahr wurden drei Mal mehr Gewerbeunternehmen angemeldet als geschlossen. Die stärkste Bewegung herrscht beim Handel und bei den Dienstleistern. Es ist eine vorwiegend mittelständische Struktur, die sich da langsam zu entwickeln beginnt. Das ist im doppelten Sinne ein gutes Zeichen: Es zeigt, dass viele Menschen das Wagnis der Selbstständigkeit eingehen – und es beweist, dass nach dem Boom der frühen Neunziger Jahre und den übersteigerten Erwartungen jener Phase die Normalität wieder einzukehren beginnt. Erleichtert wird dieser Stimmungswandel, weil es ja in der weit überwiegenden Mehrheit nicht die Berliner selbst waren, die sich angesichts der vermeintlichen gigantischen Wachstumschancen der Stadt den Kopf besoffen redeten. Man kann den Menschen in dieser Stadt viel nachsagen. Dass sie Träumer und Schwarmgeister seien, bestimmt nicht.

Aber einen Sinn für Perspektiven, das haben die Menschen hier. Perspektive kann man auch mit Durchblick übersetzen. Der Durchblick wiederum ist eine Frage des Standpunktes. Wir möchten Ihnen heute Durchblicke von zwei Standpunkten vermitteln. Da sind die vielen Unternehmen, die Händler, Dienstleister und Gewerbetreibenden, die ihre Geschäfte mit berechtigtem Stolz erklären und sagen wollen: Das können wir, wir sind für Sie da. Und da sind Sie, die vielen, vielen Leserinnen und Leser des Tagesspiegels. Für Sie kann dieses Leseund Informationsangebot so etwas wie eine Zeitreise durch den „Markt Berlin“ sein. Sie werden unter dem Leitmotiv „Perspektive Berlin“ Namen von Anbietern finden, die Sie schon seit Ihrer Kindheit kennen. Und andere, denen Sie hier vielleicht zum ersten Mal begegnen. Ein Aha-Erlebnis, sozusagen, ein erstes Kennenlernen, aus dem eine lange Bindung werden kann.

Noch etwas ist besonders. Für diesen gedruckten „Markt Berlin“ gilt nicht, was man sonst gerne über die Verwertungsdauer der Tagespresse sagt, dass nichts älter sei als die Zeitung von gestern. In dieses Schaufenster Berlins, wie es bislang wohl noch keines gegeben hat, kann man auch später noch einmal hineinschauen, wenn man nach einer Adresse, einem Lieferanten oder einer Anregung sucht, für die jetzt, heute, noch nicht die Zeit gekommen ist. Wie war das doch? In Berlin gibt’s nichts, was es nicht gibt.

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