Zeitung Heute : Nie mehr rutschen

Der Tagesspiegel

Die Hauptlandebahn des Flughafens Tegel erhält für 1,4 Millionen Euro einen rutschfesten Spezialbelag. So soll künftig ein Schneechaos wie am 22. Februar verhindert werden. Das bestätigte der Geschäftsführer der Berliner Flughafen Gmbh (BFG), Rolf Castro-Vasquez, dem Tagesspiegel.

An der siebenstündige Verspätung eines Lufthansa-Fluges nach Frankfurt an diesem Tag war nach Darstellung der Flughafengesellschaft allerdings eine Entscheidung des Piloten schuld. Von der Luftverkehrsgesellschaft vermutete Koordinationsprobleme bei den Winterdiensten habe es nicht gegeben.

Nach Angaben von Verkehrsdienstleiter Uwe Poguntke war man frühzeitig über die für den 22. Februar bevorstehenden Schneefälle informiert und entsprechend vorbereitet. Vorsorglich war die Kapazität des Flughafens in Absprache mit der Deutschen Flugsicherung auf zehn Starts und zehn Landungen pro Stunde heruntergefahren worden. Üblich sind 17 Starts und 18 Landungen.

Während binnen zwei Stunden zwölf Zentimeter Neuschnee fielen, erfolgte die übliche Pistenräumung durch Spezialfahrzeuge. Sowohl die festen als auch die flüssigen Auftaumittel wurden aber anschließend durch den starken Wind von der Bahn geweht, bevor sie Wirkung zeigen konnten, sagte Betriebsdienstleiter Jürgen Hirche. Wegen der Glätte war es notwendig, den Flughafen von 10.25 bis 11.57 Uhr zu schließen. Der so genannte Anti-Skid-Belag, der jetzt ab Ende April aufgebracht wird, macht die Oberfläche rau. So muss weniger auf tauende Chemikalien zurückgegriffen werden.

Der Lufthansa-Flug 1041 hatte Ärger gemacht. Die Maschine sollte planmäßig um 10.15 Uhr nach Frankfurt starten und war um 11 Uhr vom Abfluggate gerollt. Sie traf um 11.30 Uhr an der Enteisungsposition im Nordteil des Flughafens ein, erklärte Erhard Drawer, Geschäftsführer der für die Enteisung der Flugzeuge zuständigen Globe-Ground Berlin GmbH. Um 12.15 Uhr erhielt der Pilot eine Startfreigabe, bestand aber auf einer erneuten Prüfung der Rutschfestigkeit der Startbahn durch ein Messfahrzeug. Dazu musste nach Angaben von Uwe Poguntke zunächst die Landung mehrerer anfliegender Maschinen abgewartet werden. Der Messvorgang selbst dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Um 12.45 Uhr wurde dem Flugkapitän der aktuelle Messwert „poor“ (schlecht) mitgeteilt. Der Pilot hatte sich daraufhin entschieden, auf einen Start zu verzichten und zurück zu einer Abstellposition im Südteil des Flughafens zu rollen.

Unter den gegebenen Voraussetzungen wäre ein sicherer Abflug möglich gewesen, sagen die Flughafen-Vertreter. Kein anderer Pilot habe auf einen Start verzichtet. Der Lufthansa-Airbus brauchte indes wegen der vereisten Rollwege rund eine Stunde, um – da inzwischen alle Gates besetzt waren – eine Außenparkposition zu erreichen. Auch die Bereitstellung von Treppen und Vorfeldbussen verzögerte sich aufgrund der Wetterlage. Gegen 14 Uhr, als die Reisenden die Maschine verließen, beantragte der Pilot eine neue Starterlaubnis nach Frankfurt, die dann wegen der Überlastung des Flughafens erst für 17.25 Uhr erteilt wurde. du-

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