NIEDERSACHSEN-ROCKThees Uhlmann : Mit dem Mofa nach England

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft manchmal eine Lücke. So auch bei Thees Uhlmann, der sich mal im Überschwang als der Bruce Springsteen Nordniedersachsens bezeichnet hat, aber aufpassen muss, dass ihm diese selbstironische Koketterie nicht negativ nachhängt. Denn, bei aller Sympathie für den berufsjugendlichen Liederschmied aus Hemmoor (mittlerweile in Berlin ansässig) und bei aller Wertschätzung für den musikalischen Output, mit dem er in seiner Hamburger-Schule-trifft-Britpop-Band Tomte und seit 2011 im Alleingang die deutschsprachige Poplandschaft bereichert hat: Mit der Working-Class-Ikone aus New Jersey hat das alles wenig zu tun.

Thees Uhlmann ist vor allem niemand, der – wie eben Springsteen – mit wenigen Worten poetische Archetypen konstruieren kann. Und wenn er es versucht, landet er im Atmosphärischen (gut) oder im metaphorisch Verquasten (schlecht), wie bei den bedeutungshubernden Stücken „Die Bomben meiner Stadt“ oder „Trommlermann“ auf dem lakonisch „#2“ betitelten zweiten Soloalbum. Seine Stärke liegt eher im Weitschweifenden: Uhlmann ist ein begnadeter Vielschreiber, wie man auf seinem hochunterhaltsamen Blog nachlesen kann. Dementsprechend sind vielstrophige Songs wie „Am 07. März“ oder „Zerschmettert in Stücke“ am gelungensten. Hier entfaltet Uhlmanns silbenreiche Lyrik einen Sog und eine Wucht, den die Melodien und sein emphatischer Gesang sowieso haben. Denn das hat der 39-Jährige mit seinem großen Vorbild gemein: Wie man Rock-Hymnen schreibt, das weiß er. Auch wenn sie ein wenig westentaschenformatiger ausfallen mögen.Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, Fr 22.11., 20 Uhr, 22 € + VVK

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