Zeitung Heute : Niemand will die Sprayer verpetzen

Der Tagesspiegel

Spandau. Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU) ist jetzt im Kampf gegen die Graffiti-Sprayer des Bezirks gescheitert, wie Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) 1998 mit einer Plakataktion („Schnell am Drücker – langsam im Kopf“). Vor knapp zwei Jahren setzte Birkholz für jeden überführten Fassadenverunzierer ein Kopfgeld von bis zu 1100 Mark aus. Bis heute wurden jedoch nur zwei Fälle angezeigt – zu einer Verurteilung wegen Sachbeschädigung kam es nicht. „Die Bilanz ist nicht furchtbar bombastisch“, gibt Birkholz zu, „aber wir haben eine erhöhte Abschreckung bewirkt“. Das wisse er aus Gesprächen mit Jugendlichen. Zudem gebe es inzwischen weniger Graffiti im Bezirk. Das Prämienangebot werde deshalb aufrecht erhalten. „Den Erfolg, den wir uns erhofft hatten, hat es nicht gebracht“, sagt Rechtsamtsleiter Jürgen Knebel. Erhofft hatte man sich vor allem, zivilrechtlich die Kosten für die Beseitigung von Schmierereien einzuklagen. Im Juni 2001 wurden jeweils ein Fall an der Martin-Buber-Oberschule und der Gottlieb-Daimler-Oberschule angezeigt. Die Zeugen bekamen 100 Mark ausgezahlt. An der Buber-Oberschule habe es auch eine kleine Ehrung für die Informanten gegeben. Sie hatten drei Tatverdächtige benannt, die sich bei der Befragung durch die Polizei jedoch gegenseitig beschuldigten. Das Verfahren sei daraufhin eingestellt worden, so Knebel. Die Schulleitung sei enttäuscht. Die Tippgeber wohl auch. Wäre ein Sprayer überführt worden, hätten sie 1000 Mark einstreichen können. loy

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