Zeitung Heute : Nikolaus Brender als Kandidat vorgeschlagen

Joachim Huber

Nikolaus Brender hält sich für einen "guten Journalisten". Und im ZDF wird er auf "guten, ja besten Journalismus treffen. Diese Verbindung suche ich", sagte der WDR-Fernseh-Programmchef gegenüber dem Tagesspiegel. Brender ist von ZDF-Intendant Dieter Stolte als Nachfolger von Chefredakteur Klaus Bresser vorgeschlagen worden. Am 24. September steht im ZDF-Verwaltungsrat Brenders Wahl an, am 1. April wäre Amtsantritt. Klaus Bressers Vertrag läuft bis Ende März 2000. Der Vorsitzende des ZDF-Gremiums, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), bezeichnete die Nominierung Brenders am Freitag in Mainz als "sehr guten Griff". Brender vereine hervorragende journalistische Kompetenz mit ausgewiesener organisatorischer Befähigung.

Der gebürtige Breisgauer Brender würde mit seinem ZDF-Engagement nach eigener Aussage zu "seinen Wurzeln" zurückkehren. Der heute 50-Jährige war Reporter für die ARD-"Tagesthemen", von 1984 bis 1989 Korrespondent für Südamerika. Beim WDR begann er 1989 als Programmgruppenleiter Ausland, 1994 wurde er Chefredakteur Fernsehen. Seine derzeitige Station beim WDR-Fernsehen bedeutet Verantwortung für ein Gesamtprogramm von der regionalen Information bis zur Personality-Show "Zimmer frei!" verantwortlich, wird Brenders Arbeitsgebiet in Mainz vom Bereich Aktuelles bis zum Sport reichen und damit klar abgegrenzt sein von den Zuständigkeiten des Programmdirektors Markus Schächter.

"Sollte ich am 24. September gewählt werden, gehe ich zu einem prima funktionierenden Sender mit einer guten Atmosphäre," betonte Brender. Dem allgemeinen Urteil - "Das ZDF ist ein schlafender Sender" hält Brender sein Urteil vom "lebendigen Haus" entgegen. Dem noch amtierenden Chefredakteur Klaus Bresser "werde ich sicher nicht aus dem Weg gehen, im Gegenteil: es wird ein nahtloser und freundschaftlicher Übergang". Zu seinen Vorstellungen als ZDF-Chefredakteur wollte Brender sich nicht äußern: "Ich bin noch nicht gewählt".

Der Fernseh-Journalist mit Print-Erfahrung ("Die Zeit") sieht in WDR-Intendant Fritz Pleitgen ein Vorbild: "Professionell und persönlich habe ich ihm sehr viel zu verdanken". Pleitgen besitze eine "moralische Qualität", er sei "ein Mann, der gerade ausdenkt". Aus diesem Vertrauensverhältnis heraus und mit verstärkter Regionalisierung sei es gelungen, den Marktanteil des WDR-Fernsehens von 4,9 auf 6,5 Prozent zu haben. Marktanteil definiert Brender als "Zuneigung des Publikums zum Programm". Brenders Vertrag mit dem Kölner ARD-Sender läuft noch bis Ende Dezember. In seinem "Pflichtenheft" für das WDR-Fernsehen hat er noch eine Schema-Korrektur für das Nachmittagsprogramm und das "Metropolenfernsehen Köln" stehen, das am 1. Januar 2000 starten soll.

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