NIPPON-ROCKX Japan : Tokyo Decadence

Alexandra Distler

Eine vage Vorstellung von dem, was da in Japan abgeht, kann man bekommen, wenn man sich Bill Kaulitz von Tokio Hotel anguckt. Stylingmäßig landet man so mitten in der Metropole Japans, wo Fans von Visual-Kei-Bands wie Malice Mizer, Moi dix Mois, D’espairsRay und eben X Japan einen extrem aufwändigen, schrillen Look kultivieren, der wirkt, als wären sie gerade einem frisch colorierten Manga-Comic entsprungen. Bunte, abstehende Haare, farbige Kontaktlinsen, grelle Schminke – möglich ist eigentlich alles. Dies natürlich nur in der knapp bemessenen Freizeit, denn das japanische Schul- und Arbeitsleben lässt individuelle Freiheit in Sachen Mode nicht wirklich zu.

Die Karriere von X Japan ist so verworren und unübersichtlich wie die Modeerscheinung Visual Kei auch. Gegründet wurde die Band von den 17- jährigen Schulfreunden Yoshiki und Toshi 1982, noch unter den Namen Dynamite, dann Noise, später waren sie nur noch X. Schließlich, aufgrund eines verlorenen Rechtsstreits mit einer gleichnamigen US-amerikanischen Band wurde sie zu X Japan. Die Bandmitglieder gaben sich die Klinke in die Hand, genau wie die musikalischen Einflüsse: balladesker Classic Rock, Speed- und Progressive Metal bis zu Progressive Rock prägten die Jahre bis 1997, dem vorläufigen Ende von X Japan. Toshi kündigte an, die Band zu verlassen, um sich selbst zu finden. Nach zehn Jahren schien dies gelungen und so kam es 2007 zur Wiedervereinigung der beiden Gründungsmitglieder. X Japan füllten wie schon 1992 auch 2008 wieder den Tokyo Dome an drei aufeinanderfolgenden Tagen: Das sind insgesamt immerhin 150 000 Zuschauer. Die meisten von ihnen bis an die Zähne verkleidet. Alexandra Distler

Columbiahalle, Mo 4.7., 20 Uhr, ab 42 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben