Zeitung Heute : „Noch ein bisschen was draufpacken“ Lutz Dau ist vermögend – und will mehr Steuern zahlen

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Herr Dau, Sie unterstützen die Initiative Vermögende für Vermögensteuer. In Zeiten der IchAGs ist es ungewöhnlich, dass jemand freiwillig mehr zahlen will.

Die Abschaffung der Vermögensteuer vor sechs Jahren war ein Fehler. Der Staat braucht Geld, und alle müssen ihr Scherflein dazu beitragen. Das ist auch nicht freiwillig, sondern eine Notwendigkeit.

Zahlen Sie als Wohlhabender nicht ohnehin schon besonders viel?

Ich glaube, dass ein Vermögender zu den Steuern, die er bisher zahlt, ruhig noch ein bisschen was draufpacken kann. Im übrigen machen das zurzeit alle. Kranken- und Rentenversicherung, Ökosteuer – überall werden die Beiträge erhöht.

Wer unterstützt denn Ihre Initiative?

Leider gibt es fast niemanden, der in diesem Land noch freiwillig Steuern zahlt. Daher sind es nach wie vor nur zwölf Befürworter.

In den USA haben sich 500 Millionäre für die Beibehaltung der Erbschaftsteuer eingesetzt, damit die Zuwendungen für Schulen und Universitäten nicht gestrichen werden.

Genau das wollen wir auch. Nach den Ergebnissen der Pisa-Studie halte ich es für dringend notwendig, die Mehreinnahmen durch eine Vermögenssteuer in Humankapital zu investieren. Denn die Zukunft liegt in der Bildung unserer Kinder. Die müssen wir fördern, sonst wird uns das viel teurer zu stehen kommen als eine zusätzliche Steuer.

Warum glauben Sie, haben die Reichen in Deutschland einen so schlechten Ruf?

Weil wir ein Geheimnis aus dem Geld machen. Das Problem ist, dass wir keine offene Gesellschaft haben. Allein schon in der Steuergesetzgebung gelten so viele Ausnahmen, dass keiner weiß, was der andere zahlt.

Aber wird durch eine zusätzliche Steuer das Durcheinander nicht noch größer?

Nein, eine Steuerreform ist eigentlich nur bei der Einkommensteuer nötig. Denn die ist ein einziges Tohuwabohu, so dass kein Mensch mehr eine ordnungsgemäße Steuererklärung ohne fachmännische Hilfe abgeben kann. Eine Bestandsbesteuerung wie die Vermögensteuer hingegen ist relativ einfach und trifft auch nur die Richtigen.

Eine Vermögensteuer wäre also gerecht?

Steuern haben mit Gerechtigkeit nichts zu tun. Vor hundert Jahren war man stolz, Steuern zu zahlen, weil man erst dann Bürger einer Stadt war. Der Beleg wurde sogar im Rathaus ausgehängt. Der heutige Widerwille gegen Steuerabgaben ist eine Zeiterscheinung.

Doch nur, weil mittlerweile fast die Hälfte des Einkommens in die Staatskasse wandert.

Wir zahlen alle zu viel, weil nur wenige Steuern nach der Leistungsfähigkeit abgestuft sind. Es gibt Steuern, die sind unsozial, etwa die Mehrwertsteuer. Wer wenig verdient, wird unverhältnismäßig stark getroffen.

Wie hat der Kanzler auf ihren Brief reagiert?

Gar nicht. Aber die Vermögensteuer ist ja auch Sache der Ministerpräsidenten. Deshalb hat sich Sigmar Gabriel aus Niedersachsen mit uns getroffen. Konkretes allerdings, ist dabei nicht herausgekommen.

Das Gespräch führte Dagmar Rosenfeld.

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