Zeitung Heute : Noch ein Patzer

Malte Lehming[Washington]

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde von Bush für eine weitere Amtszeit nominiert. Wie kommt es, dass jetzt doch sein Rückzug immer wahrscheinlicher wird?

John McCain ist einer der populärsten Politiker Amerikas und eine Ikone innerhalb der Republikanischen Partei. William Kristol ist der Chef des Magazins „Weekly Standard“ und eine treibende Kraft der Neokonservativen. Jetzt haben beide Persönlichkeiten, unabhängig voneinander, Donald Rumsfeld zum Abschuss freigegeben. Ihre Kritik ist unmissverständlich, ja harsch. Gut möglich, dass die Tage des 72-jährigen Verteidigungsministers, soeben erst wieder durch Präsident George W. Bush im Amt bestätigt, doch gezählt sind. Zumindest braut sich über dem Pentagon ein schweres Gewitter zusammen. Zusätzlich zieht der Folterskandal im Irak immer größere Kreise. Nie war Rumsfeld gefährdeter als heute.

Er habe „kein Vertrauen“ in den Verteidigungsminister, hatte McCain am Montag gesagt. Zwischen ihnen gebe es „sehr große Meinungsdifferenzen“, besonders über die Zahl der Truppenstärke im Irak. Eine Woche zuvor, im Camp Buehring in Kuwait, war Rumsfeld von seinen eigenen Soldaten fernsehöffentlich angegangen worden. Warum sie im Schrott wühlen müssten, um ihre Fahrzeuge zu panzern, wollte ein GI wissen. Rumsfeld konterte brüsk: „Ihr zieht mit einer Armee in den Krieg, die es gibt, nicht mit einer, die ihr euch wünschen mögt.“ Die Replik wurde von einem Großteil der Nation als schroff und anmaßend empfunden.

Am Mittwoch nun ging William Kristol in die Offensive. Als Forum für seinen Beitrag wählte er das Massenblatt „Washington Post“. Donald Rumsfeld sei „mit Sicherheit“ nicht der Verteidigungsminister, den Bush in seiner zweiten Amtszeit brauche, schrieb Kristol. Er warf ihm Arroganz und Verantwortungslosigkeit vor und forderte unverblümt seinen Rücktritt. „Unsere Soldaten haben einen besseren Verteidigungsminister verdient, als sie haben.“

Nun ist Bush in der Bredouille. Erst am Wochenanfang musste sein Mann für das Heimatschutzministerium, Bernard Kerik, die Kandidatur zurückziehen. Das Fass zum Überlaufen hatte eine Putzfrauenaffäre gebracht. Für den Präsidenten war das peinlich. Eine zweite Personalblamage in so kurzer Zeit kann er sich kaum leisten. Deshalb wackelt Rumsfelds Stuhl nicht akut. Aber sein nächster Patzer wird sein letzter sein.

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