Zeitung Heute : Noch fünf Wochen ohne Ouzo

Der Tagesspiegel

Constantin Kouvelis hat es gut. Keine Gewissensnöte, kein Abwägen zwischen Tradition und Anpassung. Denn Constantin Kouvelis hat keine Kinder, deren Freunde am Sonntag Ostereier suchen, während sie selbst sich noch ganze fünf Wochen gedulden sollen.

Während Protestanten und Katholiken morgen Ostersonntag feiern, hat für die orthodoxen Christen die Fastenzeit gerade erst begonnen. Ostern ist für sie am 5. Mai, dann feiern nicht nur Kouvelis und die anderen Mitglieder des Vereins Griechische Demokratische Gemeinde, sondern auch die russisch-orthodoxen Christen und diejenigen, die einer der altorientalischen Konfessionen angehören. Mehrere zehntausend Berliner müssen sich also noch gedulden: Allein 12 000 Griechen leben in Berlin, und „so gut wie alle“ von ihnen sind orthodoxen Glaubens, wie Sofia Andrekaki von der griechischen Botschaft sagt.

Die Verschiebung des Ostertermins, sagt Konstantin Drankonakis, Pfarrer der Berliner orthodoxen Gemeinde, hat ihren Grund. Die orthodoxen Kirchen rechnen nach dem alten Julianischen Kalender. Der setzt den Frühlingsbeginn genau 13 Tage später an als der modernere Gregorianische Kalender, der im Abendland ansonsten gebräuchlich ist. Und Ostern ist am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr. Wenn nun also das Frühjahr später beginnt, kann sich auch Ostern verschieben - je nach Mondphasen. Die Verschiebung um fünf Wochen ist dabei fast das Maximum, wie auch Erzpriester Peter Sonntag vom Büro des Metropoliten in Bonn bestätigt.

Mehr als vier Monate müssen die griechischen Kinder in anderer Beziehung abwarten. Denn das Feuerwerk, das traditionell ebenso dazu gehört wie der Lammbraten „Ovelias“ am Ostersonntag, wird schon zu Silvester gekauft – und Monate lang aufgehoben. Das Feuerwerk bezieht seine Bedeutung aus der Geschichte Griechenlands. In den 400 Jahren unter türkischer Herrschaft war Ostern mit seiner Auferstehungs-Botschaft ein Hoffnungsschimmer. „Das ist aber nur einer der Gründe, warum Ostern für uns das höchste Fest ist.“ Sofia Andrekaki bestätigt: „Ostern ist für uns wichtiger als Weihnachten". Darum halten die meisten Griechen auch an der Tradition fest - nur für die Kinder gibt es manchmal schon ein vorgezogenes Mini-Ostern, sagt Pfarrer Drakonakis. „Aber die Gemeinde feiert an diesem Wochenende auf keinen Fall."

Für die christlichen Griechen geht das Fest erst richtig los, nachdem am Karsamstag die Fastensuppe „Mageritsa“ gegessen ist. Um Mitternacht beginnt auch in der Kirche in der Mittelstraße in Steglitz die Auferstehungsfeier – allerdings erst am 5. Mai. Doch das österliche Terminproblem bleibt nicht ewig so: In diesem Jahrhundert fällt das orthodoxe Osterfest genaue 33 Mal auf den gleichen Termin wie das evangelische oder katholische - und dann erst in rund 800 Jahren wieder. Jörg-Peter Rau

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