Zeitung Heute : Noch gefährlicher als "I love you" - US-Firmen lahm gelegt - Wieder nur Windows-Systeme betroffen

Markus Ehrenberg

Kaum hat sich die Aufregung um den Computer-Virus "I love you" gelegt, schlägt ein neuer virtueller Krankheitserreger zu. Im Internet ist eine sehr aggressive Variante des letzten E-Mail-Virus aufgetaucht: VBS.NewLove. "I love you" hatte vor zwei Wochen weltweit mehr als 45 Millionen Computer infiziert und Schäden in Höhe von rund 33 Milliarden Mark angerichtet.

Zahlreiche große US-Firmen sollen am Freitagmorgen von der neuen Virus-Attacke betroffen gewesen sein. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik teilte mit, auch bei einer deutschen Bundesbehörde sei der Virus aufgetaucht. Es sei aber kein Schaden entstanden, sagte der Sprecher des Amtes, Michael Dickopf. Mehrere Experten sagten, es gebe keine weiteren Hinweise auf ein Auftreten in Deutschland. Anfällig sind auch in diesem Fall wieder nur Windows-Systeme. Apple-Benutzer können sich zurücklehnen: Der E-Mail Wurm "VBS.NewLove" nutzt die Eigenart des E-Mail-Programms "Outlook" von Microsoft und verschickt sich automatisch an alle dort gespeicherten Adressaten. Der Unterschied zum "I love you"-Virus: "VBS.NewLove" kann Dateien löschen und eine Neuinstallation des befallenen Systems nötig machen. Der Virus verbreitet sich langsamer als die alte Variante, richtet offensichtlich aber viel größere Schäden an. Er verändert seine Größe und die Betreffzeile, die den Empfänger über den Inhalt der E-Mail informiert.

"I love you" konnte man noch an der Betreff-Zeile erkennen, den neuen Virus nicht. Was jetzt wie eine harmlose E-Mail von einem Bekannten aussieht, die auf einen früheren Mail-Austausch verweist, kann der bösartige E-Mail-Virus sein, der alle Informationen auf der Festplatte angreift. Bundesinnenminister Otto Schily rief zur Wachsamkeit gegenüber dem neuen Virus auf und legte am Freitag einen Maßnahmenkatalog vor, der Einstellungen am Rechner, das Verhalten bei ein- und ausgehenden E-Mails sowie bei Downloads aus dem Internet hervorhebt.

Die Cyber-Kriminalität beschäftigte in dieser Woche auch die G8-Staaten in Paris - allerdings ohne konkreten Ergebnisse in Sachen Cyber-Polizei, härtere Gesetze gegen Hacker oder präventive Maßnahmen. Großen Firmen mit ihren riesigen Netzwerken und privaten E-Mail-Nutzern bleibt also weiterhin nur die Warnung: Dateien mit der Endung ".vbs" sowie generell Dateien unbekannter Herkunft nicht zu öffnen. Der nächste, noch gefährlichere Computervirus kommt bestimmt. Per E-Mail.Weitere Infos unter www.meinberlin.de/newlove und www.bsi.de/taskforce/viren.htm

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