Zeitung Heute : Noch gibt kaum jemand Gas

Aber das Netz der Erdgas-Zapfsäulen wird ausgebaut. Der Kraftstoff bleibt preiswerter als andere und für den Umbau gibt es Zuschüsse

Ingo Dahlern

Benzin oder Diesel und bei dem vielleicht noch Biodiesel – mehr Auswahl an Krafstoffen bieten normale Tankstellen nicht. Bis auf jene inzwischen 346 Stationen in Deutschland, davon allein zwölf in Berlin, an denen auch eine dritte Kraft verfügbar ist: Erdgas. Das eignet sich nämlich auch als Kraftstoff für unsere ganz normalen Verbrennungsmotoren. Dort kann es einen spürbaren Beitrag zur Verringerung der Umweltbelastung leisten, denn es verbrennt sehr viel sauberer als Diesel und Benzin.

So kann der Erdgasbetrieb schon heute die erst von 2008 an geltenden strengen europäischen Schadstoffnormen unterbieten. Um 25 Prozent niedriger als bei Benzinern liegen die Emissionen von Kohlendioxid, um 80 Prozent niedriger die von Kohlenmmonoxid und um 20 Prozent die von Kohlenwasserstoffen. Und deren Anteil an so genannten reaktiven Kohlenwasserstoffen, die am Entstehen bodennahen Ozons beteiligt sind, sinkt sogar um 60 Prozent. Partikelemissionen schließlich sind bei Erdgas, das zu 99 Prozent aus Methan besteht, kaum messbar, Schwefel- und Benzolemissionen gibt es überhaupt nicht.

Doch nicht nur die Umwelt wird entlastet durch das Fahren mit Erdgas, sondern auch das Portemonnaie. Denn Erdgas, ein Kilo davon entspricht etwa 1,5 Liter Benzin, kostet weniger als die Hälfte von Benzin und ist damit um rund 20 Prozent günstiger als Dieselkraftstoff. Und während die Preise von Benzin und Diesel in den nächsten Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach spürbar steigen werden, bleiben die Erdgaspreise auf lange Sicht konstant. Denn der für Erdgas geltende niedrigere Mineralölsteuersatz ist vorerst bis zum Jahr 2020 festgeschrieben.

Trotz dieser vielen Vorteile sind auf deutschen Straßen derzeit nicht mehr als 15 000 Erdgasfahrzeuge unterwegs. In Italien sind es dagegen fast 400 000 und weltweit bereits 2,14 Millionen. Doch wenn Erdgas auch problemlos in normalen Benzinmotoren verbrennt – sie müssen für den Erdgasbetrieb eingerichtet sein. Entweder durch den nachträglichen Einbau eines Erdgastanks und Druckminderern, Zumesseinrichtungen und Einblasventilen für das Erdgas oder bereits ab Werk, wie das derzeit bei Fiat, Ford, Opel, Volvo und Volkswagen möglich ist. Fiat Doblo und Fiat Multipla, Ford Focus Turnier, Opel Astra und Opel Zafira, Vovlo S60, S80 und V70 und der Golf Variant stehen auf der Liste der Personenwagen, die man in Deutschland für den Betrieb mit Erdgas ordern kann. Und wenn es darum geht, bereits zugelassene Personenwagen nachträglich auf die dritte Energie umzurüsten, dann gibt es von Alfa bis VW nur wenige Marken, wie zum Beispiel Porsche, bei denen das derzeit nicht möglich ist.

Bei den Nutzfahrzeugen stehen Fiat Ducato Bipower, Ford Transit CNG, Iveco Daily CNG, Mercedes Sprinter NGT und der Transporter von VW auf der Liste. Zudem können selbst Trucks von Iveco und Volvo sowie zahlreiche Omnibusse mit Erdgas fahren.

Allerdings gibt es bundesweit eben nur 346 Tankstellen mit Erdgaszapfsäulen. Deshalb sind die meisten Neufahrzeuge und alle umgerüsteten Gebrauchtwagen bivalent zu nutzen. Ist das Gas alle, wird mit Benzin weiter gefahren. Der Benzintank ist bei den Neuen zwar kleiner als jener der normalen Benziner, aber man kommt weiter, bis zur nächsten Gaspistole, sozusagen.

Etwas enger wird es in vielen Erdgasfahrzeugen allerdings mit dem Platz. Zwar bieten Fiat, Opel, Volvo und VW heute Autos an, bei denen das Gas in Unterflur-Tanks gespeichert wird, die weder den Passagier-, noch den Laderaum einschränken. Und auch der Golf Variant Bifuel verliert nur einen Bruchteil seines Laderaums. Doch wenn man ein Auto nachträglich umrüstet, muss man meist auf einen Teil des Kofferraums verzichten, in dem der Gastank untergebracht wird.

Aber läuft ein Motor mit Erdgas auch so gut wie mit Benzin? Da gibt es zwei Antworten. Er kann bis zu 20 Prozent mehr leisten, wenn er allein auf Erdgas ausgelegt und optimiert ist. Bei bivalenten Fahrzeugen, die mit Benzin und Erdgas laufen, muss man Kompromisse machen. Sie verlieren beim Gasbetrieb bis zu 15 Prozent ihrer Leistung. Doch bei den heute meist recht kräftigen Motoren kann man das problemlos vernachlässigen, wie uns viele Fahrten mit bivalenten Erdgasautos immer wieder zeigten.

Das Tanken dauert an speziellen Zapfsäulen nicht länger als bei einem normalen Benziner. Und auch um die Sicherheit von Erdgasautos muss man sich keine Sorgen machen – im Gegenteil, sie sind sogar weniger gefährlich als Benziner, deren Tank bei einem Unfall undicht wird. Ein Problem sind Parkhäuser und Tiefgaragen, die die Einfahrt „druckgasbetriebener Fahrzeuge“ verbieten. Das soll vor Unfällen mit Autos schützen, die mit Flüssiggas betrieben werden. Flüssiggas ist allerdings eine Mischung aus Propan und Butan, die beide schwerer sind als Luft. Da besteht bei einem Leck im Tank Explosionsgefahr.

Erdgas dagegen ist leichter als Luft, es entweicht schnell nach oben. Damit sind Erdgasfahrzeuge auch in Tiefgaragen kein besonderes Risiko – aber die Schildermaler und-aufsteller haben das bislang noch nicht bemerkt.

Rundum gibt es also viele Pluspunkte für Erdgasautos. Auch das Tankstellennetz wird ausgebaut. Bis 2006 soll das bundesweite Netz auf knapp 1200 Stationen ausgebaut werden. Hier sind vor allem Aral und BP Vorreiter, so hatte BP bereits im Oktober 2001 die erste Gastankstelle Berlins eingerichtet.

Anschaffung und Umrüstung der Autos werden von örtlichen Energierversorgern gefördert, mit Tankgutscheinen zum Beispiel von der Gasag in Berlin. Optimisten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen rund 4,5 Milionen Erdgasfahrzeuge rollen werden – als Überbrückung, bis sich Wasserstofffahrzeuge und Brennstoffzellenautos durchsetzen.

Weiteres im Internet unter:

www.erdgasfahrzeuge.de

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