Zeitung Heute : Noch mehr Silber für Thüringen

Martin Hägele[Hartmut Scherzer]

Nach einer guten Viertelstunde war alles vorbei unter der strahlenden Sonne in Soldier Hollow: Der Finne Samppa Lajunen hatte - unangefochten - seine dritte Goldmedaille in der Nordischen Kombination, Ronny Ackermann aus Unteralba im thüringischen Teil der Rhön seine zweite Silbermedaille, der Österreicher Felix Gottwald seine dritte Bronzemedaille. In der so genannten Sprintwertung, dem 7,5-km-Rennen im freien Stil nach dem Springen von der 120-Meter-Schanze, hatte der 24 Jahre alte Sportsoldat keine Chance, den umgerechneten Rückstand von 15 Sekunden gegenüber dem finnischen Schanzen-Sieger aufzuholen.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen "Ich habe natürlich immer daran geglaubt, noch gewinnen zu können", sagte Ackermann wie selbstverständlich. "Ich gehe mit dieser Einstellung in jeden Wettkampf und ich hatte auch eine gute Ausgangsposition, auf Gold zu laufen. Ich brauche diese hohen Ziele, um mich zu fordern und das Maximale aus mir herausholen zu können. Aber es waren sehr schnelle Bedingungen, daher ein ausgegliches Rennen von den ersten drei Läufern und ich habe keine Chance auf der kurzen Distanz bekommen, obwohl es mein bester Lauf bei diesen Olympischen Spielen war." Im ersten Wettbewerb - dem Springen von der 90-Meter-Schanze und dem 15-km-Lauf klassisch, war Ackermann kurz vor dem Ziel von Gottwald noch abgefangen worden und hatte sich mit dem vierten Platz begnügen müssen. Im Team-Wettbewerb hatte Ackermann dann seine erste Silbermedaille gewonnen.

"Lajunen hätte schon einen einen Fehler machen müssen", sagte Ackermann, "um ihn noch einzuholen. Hat er aber nicht." Auch am Ski habe es nicht gelegen. "Das Material war wieder sehr gut." Weil alles so ausgeglichen und die Abstände vom Springen vorgegeben waren, wurde es ein sehr eintöniges Rennen. Lediglich der im Weltcup führende Felix Gottwald konnte sich noch vom elften auf den dritten Rang verbessern. Auch das große deutsche Talent, der erst 18 Jahre alte Björn Kircheisen, machte einen Sprung vom 15. auf den neunten Platz.

Lajunen siegte auf den drei Runden mit zwei steilen Anstiegen in 16:40,1 Minuten mit neun Sekunden Vorsprung vor Ackermann. Wenn sich der Abstand zwischen Start und Ziel von 15 auf neun Sekunden verringerte, dann nur, weil der 32 Jahre alte Samppa Lajunen die Zielgerade mit erhobenen Armen und Stöcken im Triumph auslaufen ließ. Auch Ackermann glitt in gleicher Pose dem Ziel entgegen. Von Gottwald, 40,2 Sekunden zurück, drohte diesmal keine Gefahr mehr.

"Ich gönne Samppa den Triumph", sagte Ackermann. "Er war vor zwei Jahren in Nagano zweimal Zweiter." Dort gab es nur zwei Wettbewerbe. Gute Aussichten also für Ronny Ackermann, als zweimaliger Zweiter von Salt Lake City in vier Jahren dann in Turin 2006 zweimal Erster zu werden. Zunächst aber will Ackermann, der mit dem Team bereits anderntags nach einer ausgiebigen Feier im Thüringen-Haus nach Hause flog, noch den im Weltcup führenden Österreicher Gottwald jagen. "Gut, der Rückstand ist mit 131 Punkten recht groß. Aber wir haben noch sechs Wettkämpfe in Skandinavien, alle auf Großschanzen." Die liegen dem Thüringer. "Deshalb werde ich da noch einmal attackieren."

Ronny Ackermann, die Haare immer noch signalrot gefärbt, holte die 33. Medaille für die deutsche Mannschaft, die 16. in Silber. Und er trug dazu dabei, dass Thüringen in der eigenwilligen Nationenwertung der Medien dieses wintersportverrückten Bundeslandes mit 5-8-3 den fünften Platz hinter Deutschland, den Vereinigten Staaten, Norwegen und Russland hielt - vor Finnland.

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