NOLDE-LANDSCHAFTEN„Mein Wunderland von Meer zu Meer“ : Windgezauster Weizen

Christina Tilmann

Sommerzeit, Ferienzeit. Wer (noch) nicht tatsächlich reisen kann, tut dies schon mal in Gedanken – zu jenen Weizenfeldern, Wäldern, Marschlandschaften und Dünen, die Emil Nolde so gern gemalt hat. Die dritte Ausstellung der 2007 eröffneten Dependance der Nolde-Stiftung in Berlin hat sich – nach den Berliner Stadtszenen und den Südsee-Bildern – nun unter dem Titel „Mein Wunderland von Meer zu Meer“ der Schönheit der Heimat des Malers gewidmet: den melancholischen, flachen, windgezausten Nordseelandschaften rund um Seebüll.

Denn was dem Berliner Maler Max Liebermann sein Sommerhaus mit Garten am Wannsee war, das war für Emil Nolde sein selbst gestaltetes Wohnhaus samt Sonnenblumen und Mohn im Garten an der dänischen Grenze. „Gleich einem Märchen war die Heimat mir“, schwärmte der 1867 im Dorf Nolde bei Tondern (heute Dänemark) geborene Maler über das Land. „Das Elternheim im flachen Land, mein Land, darüberhin die tausende Lerchen jubelnd auf- und niederschwebend, mein Wunderland von Meer zu Meer.“

Rund 70 Nolde-Werke aus eigenen Beständen werden in der Jägerstraße zu sehen sein, dazu auch wenig bekannte, bisher nicht gezeigte Arbeiten in Öl und Aquarell. Längst ist das edel restaurierte Haus, das auch für Veranstaltungen gern gebucht wird, zu einer festen Adresse im Berliner Kulturkalender geworden. So manch eine Landesinstitution wie das Brücke-Museum könnte sich an der regen Ausstellungstätigkeit der Privatstiftung samt schöner Kataloge ein Beispiel nehmen. Christina Tilmann

Nolde Stiftung Seebüll, Dependance Berlin, So 1.6. bis So 31.8., tägl. 10-19 Uhr, 6 €, erm. 4 €

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