Zeitung Heute : Nordkorea provoziert die Welt

Nach dem missglückten Raketenstart rechnen Experten jetzt mit einem Atomwaffentest.

Propagandafeier in Pjöngjang.
Propagandafeier in Pjöngjang.Foto: dapd

Es sollte der erste spektakuläre Auftritt Nordkoreas unter Kim Jong Un auf der Weltbühne werden – es endete mit einem unermesslichen Gesichtsverlust für den neuen, unerfahrenen Führer und seinen verarmten Staat. Der Satellitenstart, der den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung bilden sollte, ist zu einer Blamage geraten. Nur knapp zwei Minuten flog die Unha-3-Rakete, die Nordkorea trotz internationaler Proteste am Freitag gezündet hatte, dann zerbarst sie nach Auskunft südkoreanischer Offizieller in 20 Einzelteile und stürzte rund 165 Kilometer südwestlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ins Meer.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den Raketenstart am Freitagabend. Damit seien zwei Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletzt worden, hieß es in dem Beschluss. „Trotz des fehlgeschlagenen Raketenstarts bedroht Nordkoreas provokative Aktion die Sicherheit der Region, verletzt internationale Gesetze und verstößt gegen seine eigenen jüngst eingegangenen Verpflichtungen“, sagte Jay Carney, Pressesekretär im Weißen Haus. Südkoreas Verteidigungsminister wertete den Start nicht nur als Provokation und militärische Bedrohung gegenüber Südkorea, sondern auch der Internationalen Gemeinschaft. „Der Norden muss für seine Aktion gebührend zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte Kim Kwan-jin, „auf internationalem Level sollten angemessene Sanktionen eingeleitet werden“.

Knapp vier Stunden nach dem Start der Rakete hatte es auch die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA zugeben müssen: „Ein Erdbeobachtungssatellit, der von der Demokratischen Volksrepublik Korea am Freitagmorgen gestartet worden ist, scheiterte beim Versuch, die Erdumlaufbahn zu erreichen.“ Es ist der dritte fehlgeschlagene Versuch Nordkoreas innerhalb von 14 Jahren, einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen. „Wissenschaftler, Techniker und Experten suchen nun nach der Ursache des Fehlers“, meldete KCNA. Nach Auskunft des südkoreanischen Verteidigungsministeriums explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Offenbar zündete lediglich die erste von drei Raketenstufen.

China, Nordkoreas wichtigster Verbündeter, hielt sich am Freitag mit Kommentaren zurück. Lange hatte es auf diplomatischen Wegen versucht, den Raketenstart abzuwenden. „China ist vor oder nach dem Satellitenstart nicht von Nordkorea informiert worden“, berichtete Außenministeriumssprecher Liu Weimin.

In der Region wächst nun die Sorge vor einem dritten Atomtest Nordkoreas. Satellitenbilder haben bereits mögliche Vorbereitungen dokumentiert. „Das wäre der nächste logische Schritt“, sagte Bahng Tae-seop, Analyst eines südkoreanischen Wirtschaftsforschungsinstitutes, der „Korean Times“: „Sie haben daran Jahrzehnte gearbeitet und brauchen jetzt etwas, um ihre Stärke zu zeigen, besonders nach diesem Fehlschlag.“ Auch ein Beamter der US-amerikanischen Regierung sagte der „New York Times“, dass er jetzt mit einem Atomtest Nordkoreas rechne: „Einfach um zu zeigen, dass es das kann.“

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