Zeitung Heute : Nordkorea rät Botschaftern zur Ausreise

Pjöngjang: Können nach 10. April Sicherheit nicht mehr garantieren / Plant Regime Raketenabschuss?

Berlin - Nordkorea hat am Freitag mehrere Länder aufgefordert, wegen wachsender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel über einen Abzug ihrer Diplomaten aus Pjöngjang nachzudenken. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte laut russischen Nachrichtenagenturen, alle Botschaften in Pjöngjang seien aufgefordert worden, eine Evakuierungsaktion in Betracht zu ziehen. Auch Tschechien und Bulgarien bestätigten die Aufforderung. Das britische Außenministerium teilte mit, Pjöngjang habe erklärt, die Sicherheit von diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen könne ab dem 10. April nicht mehr garantiert werden. Auch die Bundesrepublik Deutschland erhielt Berichten zufolge eine Evakuierungsaufforderung. Vom Auswärtigen Amt gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Bereits am Freitagvormittag war der nordkoreanische Botschafter in Berlin auf Anweisung von Außenminister Guido Westerwelle ins Auswärtige Amt zitiert worden. Dort sei dem Botschafter „in deutlichen Worten die sehr große Sorge der Bundesregierung angesichts der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation vermittelt worden“, sagte Ministeriumssprecher Andreas Peschke.

Unterdessen meldete das südkoreanische Militär, dass Nordkorea an der Ostküste des Landes zwei Mittelstreckenraketen auf mobilen Abschussrampen installiert habe, die jederzeit abgeschossen werden könnten. Die Raketen haben eine geschätzte Reichweite von 3000 bis 4000 Kilometern, weit genug, um den US-Militärstützpunkt auf Guam oder die Westküste Alaskas zu erreichen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die Positionierung der Raketen könne möglicherweise Teil einer Militärübung oder eines Raketentests sein. Beobachter vermuten, dass die Raketen Mitte April, in zeitlicher Nähe zur Feier des Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April, gezündet werden sollen – deshalb jetzt der Rat an die Botschafter, das Land zu verlassen.

Politische Quellen in Südkorea spekulieren darüber, ob Nordkoreas Präsident Kim Jong Un eventuell eine zweigleisige Strategie verfolge, indem er die Angst vor einer militärischen Konfrontation schüre und gleichzeitig eine diplomatische Lösung des Konflikts anstrebe. Experten sehen trotz des martialischen Auftretens der nordkoreanischen Führung keine unmittelbare Kriegsgefahr. Die Drohungen aus Pjöngjang zielten eher darauf ab, Zugeständnisse zu erreichen. Indes beraten Russland, China und die USA über das weitere Vorgehen, während UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Nordkorea zur Mäßigung aufforderte. Auch beim G-8-Außenministertreffen am kommenden Donnerstag in London wird die Lage auf der koreanischen Halbinsel Thema sein.

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