Zeitung Heute : Nordsee: Willste Watt?

Temenuga Veleva

Hast du auch manchmal Lust, mit den Wildgänsen loszuziehen wie Nils Holgersson? Jetzt wäre die richtige Zeit dafür, denn an der Nordsee im Wattenmeer sind gerade Tausende von Gänsen. Sie haben in den Niederlanden, in Frankreich und England überwintert und fliegen jetzt nach Norden. Im Wattenmeer machen sie gerade einen kurzen Halt. Sie erholen sich hier vom langen Flug, fressen sich Fettreserven an und fliegen nach ein paar Wochen weiter nach Sibirien und Skandinavien. Dort brüten sie und ziehen ihre Jungen auf.

Stell dir vor, du wärest in diesem Augenblick am Deich. Von dort aus könntest du sie sehen: unzählige Ringelgänse und Nonnengänse, die ruhig grasen. Ab und zu fliegen ganze Schwärme auf und lassen sich wieder nieder. Mach deine Augen zu und lass dir den Wind um die Ohren pfeifen. Er pustet dir die Haare aus dem Gesicht und du hörst ein andauerndes Geschnatter - die Unterhaltung der Wildgänse. Und wenn du die Augen aufmachst, hängen über dir kleine weiße Schäfchenwolken. Die Sonne ist schon stärker - du kannst nicht mehr zu ihr sehen wie bis vor kurzem, ohne dass dir die Augen weh tun. Sie strahlt dich an und du spürst ihre Wärme auf deiner Haut. Vielleicht fliegt im selben Augenblick eine Schar Wildgänse über dich hinweg. Sie schlagen mit den Flügeln und schnattern. Am Deich meldet sich ein Schaf mit einem langen "mä-ä-äh".

Vielleicht fährst du bald mit deinen Eltern zum Wattenmeer. Nimm dir für deine Beobachtungen am Deich auf jeden Fall ein Fernglas mit. Denn die Vögel sind scheu. So kannst du sie ungestört von Weitem beobachten. Vielleicht erkennst du nicht nur Ringelgänse und Nonnengänse, sondern auch Alpenstrandläufer, Knutts, Austernfischer, Brand-, Eider- und Pfeifenten.

Das Wattenmeer hört nicht an der deutschen Grenze auf. Es breitet sich auch vor den Küsten Dänemarks und der Niederlande aus. Man zählt hier jedes Jahr 10 bis 12 Millionen Küstenvögel. Das sind Gänse, Enten, Wattvögel, Möwen und Seeschwalben. Hier leben außerdem noch Muscheln, Krabben, Fische, Würmer, Schnecken, Robben und sogar die kleinen Schweinswale. Damit sie sich alle bei uns wohl fühlen und auch weiterhin bei uns bleiben, haben sich Menschen, die die Natur lieben, zusammen gesetzt und sich ein paar Regeln überlegt.

Regel eins: Hier sollte man keine Drachen steigen lassen, denn sie verscheuchen die echten Vögel. Die glauben dann nämlich, dass die Drachen selbst große unbekannte Vögel sind, die gefährliche Geräusche von sich geben. Regel zwei: Hunde soll man an der Leine führen. Die Wildtiere und die weidenden Schafe fühlen sich so sicherer. Regel drei: Keine Getränkedosen oder Chipsverpackungen liegen lassen. Alles, was man mitgebracht hat, sollte man wieder mitnehmen und später in eine Mülltonne werfen. Wenn wir uns alle an diese Regeln halten, bleiben die Tiere gern bei uns.

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