Zeitung Heute : "Norwegen, es reicht!"

Elke Wittich

Mit der vorzeitigen schwedischen Kapitulation endete jetzt der traditionelle Schlagzeilen-Konflikt zwischen Norwegen und Schweden. Das gegenseitige mediale Mobbing findet normalerweise bei allen sportlichen Großereignissen statt, angesichts der eher schlechten Medaillen-Bilanz hatten die schwedischen Boulevard-Blätter dem Spott des kleinen Nachbarn jedoch nichts mehr entgegenzusetzen. Die norwegische Tageszeitung "Dagbladet" bejubelt schließlich seit Beginn der Spiele von Salt Lake City nicht nur jede eigene Goldmedaille, sie führt auch mit großer Schadenfreude eine Winterspiele-Statistik der besonderen Art: "2914 Tage ohne schwedische Goldmedaille!"

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Die Konkurrenz von "Verdens Gang" sekundierte mit langen Kolumnen, in denen versichert wurde, dass Schweden abseits des Sports durchaus zu etwas tauge, so kämen viele Kellner in Oslo aus dem Nachbarland und "einige Nobelpreise" würden dort immerhin auch verliehen.

Am letzten Sonntag haben die Schweden noch einmal nachgerechnet und festgestellt, dass sie den innerskandinavischen Konkurrenzkampf kaum noch gewinnen konnten. "Okay Norwegen, es reicht: Wir geben auf!" schrieb der "Expressen", zwei norwegische Goldmedaillen "noch vor dem Mittagessen" seien einfach zuviel für die schwedische Seele. Einen Tag später kam das Blatt dann auf der Titelseite mit einem revolutionären Vorschlag: "Lieber Harald, lass uns doch wieder eine Union bilden!" begann ein Offener Brief an den norwegischen König. Im Rahmen des Kieler Friedens war Norwegen 1814 aus dänischem Besitz in eine Union mit Schweden übergegangen. 1905 hatte sich das Land dann wieder losgesagt. "Ihre Majestät sollten wissen, dass wir Schweden die Union vermissen", versicherte Star-Kolumnist Lars Lindström. Spätestens "seit der norwegischen Goldmedaille und dem schwedischen 13. Platz in der Langlauf-Staffel". Wenn sich "im Jahr 2005 die Auflösung der Bande zwischen beiden Staaten zum hundertsten Mal jährt, ist dies doch vielleicht ein guter Anlass, ein neues Band zu knüpfen".

Die neue Union käme rechtzeitig für die Winterspiele 2006. Angst um seinen Job müsse Harald V. nicht haben, denn die Union könne durchaus zwei Königshäuser vertragen, die zudem den Vorteil hätten, "dass bei olympischen Spielen praktisch bei jeder Sportart ein Vertreter der skandinavischen Royals zugegen sein kann". Allerdings könne die enge Allianz nur unter einer entscheidenden Voraussetzung gebildet werden: "Wir Schweden müssen uns ums Eishockey kümmern!" Die Reaktion der "Expressen"-Leser fiel nicht besonders positiv aus, 60 Prozent wollten in einer Umfrage lieber weiter ohne Gold und die Norweger leben.

Den Schweden bleibt wohl nichts anderes übrig. Gestern Abend unterlagen die bisher überragenden Eishockey-Spieler vom Tre-Krona-Team Außenseiter Weißrussland im Viertelfinale mit 3:4. Die Norweger können aufatmen. Im Falle eines schwedischen Olympiasieges wäre eine neue Attacke schwedischer Medien zu befürchten gewesen. Das wissen die Norweger aus leidvoller Erfahrung. Gerne werden alle an jedes einzelne Team-Mitglied verliehenen Auszeichnungen zusammengezählt und die Medaillenspiegel entsprechend geändert. 23 Goldmedaillen - schon wäre Schweden wieder vorn gewesen.

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