Zeitung Heute : Nostalgie und Schuldbewusstsein

Heimatmuseum zeigt Bilder aus dem alten Steglitz – und eine Sonderausstellung zum Kriegsende

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Sechzig Jahre Kriegsende – das nehmen die Steglitzer zum Anlass, sich ihrer Vergangenheit zu erinnern. Auf dem Herrmann EhlersPlatz verlegt der Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“, 30 Gedenksteine mit den Namen ermordeter Steglitzer Juden. Und der Heimatverein veranschaulicht in einer Ausstellung den Alltag der Menschen in Steglitz während der Nazizeit.

In einer Gründerzeit-Villa in der Lichterfelder Drakestraße, Sitz des Steglitz Museums, hat der Heimatverein Briefe und andere Zeitdokumente zusammengetragen, die das Leben der Steglitzer unterm Hakenkreuz dokumentieren. Einen Großteil davon haben Einwohner zur Verfügung gestellt. Steglitz war eine Hochburg der NSDAP. 1942 gaben rund 42 Prozent der Steglitzer ihre Stimme den Nazis, die im Berliner Schnitt von knapp 30 Prozent gewählt wurden.

Texttafeln und Fotos zeigen die in Steglitz ansässigen Institutionen des NS-Apparates, wie etwa das Wirtschaftsverwaltungshauptamt Unter den Eichen, die Zentrale der SS. Es werden aber auch die Spuren des Widerstandes in Kirche und Gesellschaft dokumentiert, etwa der Kreisauer Kreis. Die Ausstellung zeigt, wie der Krieg die Stadt erreichte und Steglitzer Familien in den Tod riss. Ein Teil widmet sich dem Konzentrationslager in Lichterfelde, einer Außenstelle des KZ Sachsenhausen – Bilder von der Not und dem Leiden der Häftlinge, die wenige Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee nach Sachsenhausen transportiert und zum Todesmarsch in Richtung Ostsee gezwungen wurden. Der Plan war, sie auf Schiffe zu verladen, die dann versenkt werden sollten. Amerikanische und russische Truppen befreiten die Überlebenden im nördlichen Mecklenburg. olk

Heimatverein, Drakestr. 64a, Mo 16-19, Mi 15-18, So 14 -17 Uhr.

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