Zeitung Heute : Notebook mit Kurbel

Warum Nicholas Negroponte jedem Kind auf der Welt den Zugang zum Computer ermöglichen will

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„Ein Laptop für jedes Kind“ – eine faszinierende Vision, die die Herzen vieler Kinder höher schlagen lassen wird. Aber hinter dem Projekt „One Laptop per Child“ (OLPC) steckt nicht die hiesige Medienindustrie, sonder Nicholas Negroponte, der Leiter des Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seit 2005 entwickelt das Media Lab des MIT ein Notebook, das nur 100 Dollar kosten soll und nur von Ministerien weltweit gekauft werden kann, um es jeweils an die Kinder in der Dritten Welt zu verteilen. „Laptops sind beides, ein Fenster und ein Werkzeug. Ein Fenster in die Welt und ein Werkzeug, mit dem sie denken und arbeiten“, heißt es auf der Website des MIT. Die Mitarbeiter erzählen von einem Dorf in Kambodscha, in dem es keine Elektrizität gibt. „Aber ein Laptop ist unter anderem eine der hellsten Lichtquellen im Haus.“

Aber warum brauchen Kinder in der Dritten Welt unbedingt ein Laptop? Ist das nicht ein Luxusobjekt? Reicht nicht ein Gemeinschaftscomputer in der Schule? Negroponte und seine Mitarbeiter halten dagegen. Es gibt doch auch keinen Gemeinschaftsbleistift, den sich die Kinder teilen müssen. Ein Notebook ist ein Arbeitsinstrument, das im Unterricht vieler Fächer eingesetzt werden kann und das die Kinder mit nach Hause nehmen, um dort zu arbeiten, zu spielen und unter Umständen sogar für Licht zu sorgen.

Die Computer werden in Taiwan hergestellt, mit Linux als Betriebsssystem versehen und mit freier Software ausgerüstet. Sie sollen in der Lage sein, lokale Netzwerke zur Kommunikation untereinander zu bilden. Insofern ist ein preiswertes Laptop ein großer Schritt in der Entwicklung und eine zusätzliche Motivation zur Bildung. Die Geräte müssen schon einiges aushalten, sie sollten unempfndlich gegen Stöße und Staub sein, sie müssen es aushalten, auch einmal vom Tisch auf den Boden zu fallen. Und wenn die Batterie leer ist, muss sie mit Hilfe des Kurbeldynamos wieder aufgeladen werden.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hat Negroponte nun mit Kemal Dervis vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Eine Million Notebooks sollen bis zum Jahresende ausgeliefert werden. Fünf bis zehn Millionen Vorbestellungen müssen eintreffen, damit die Produktion beginnen kann. Bis jetzt haben unter anderem Brasilien zwei Millionen und China drei Millionen Computer bestellt. Ägypten, Argentinien und Thailand sind ebenfalls interessiert.

Auch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) hat den Wert der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) erkannt. Mit Hilfe von IKT lässt sich die Entwicklungszusammenarbeit effizienter gestalten, die Weitergabe und Verwertung von Wissen schafft Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung, öffnet Chancen zur politischen Teilhabe und zur Schaffung neuer Einkommensquellen. R.B.

Weiteres im Internet:

www.laptop.org

www.gtz.de

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