NOUVELLE CHANSONBenjamin Biolay : Aus besten Verhältnissen

Anders als in England, wo in der Popmusik die Herkunft der Protagonisten und ihre stilistische Ausrichtung meist entkoppelt sind, ist der französische Pop schichtspezifisch geprägt. Während Rap generell aus den sozial abgekoppelten Banlieues der Großstädte zu kommen scheint, stammen die meisten Stars des „weißen“ Pop aus der Oberschicht, siehe Air, Phoenix oder Daft Punk. Auch Benjamin Biolay kommt aus gutem Elternhaus und hat sich durch seine (inzwischen geschiedene) Ehe mit Chiara Mastroianni, der Tochter von Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni, in die Beletage der französischen High Society katapultiert.

Dort gehört Biolay auch musikalisch hin, denn nach einer rebellischen Findungsphase hat er als Hauptrepräsentant des „Nouvelle Chanson“ eine der wichtigsten frankophonen Popströmungen der letzten 20 Jahre mitbestimmt. Sein Werkverzeichnis liest sich wie das „Who is who“ französischer Popmusik. Neben vielen anderen hat Biolay Platten mit Juliette Greco, Françoise Hardy, Carla Bruni, Julien Clerc und seiner Schwester Coralie Clément produziert. Dass in dieser Liste mehr Frauen als Männer sind, ist kein Zufall, gilt der 40-jährige mit dem suggestiven Flüsterbass doch als notorischer Womanizer und somit als rechtmäßiger Erbe des großen Serge Gainsbourg. Nach seinem monumentalen Dreifachalbum „La Superbe“, mit dem ihm 2009 in Frankreich ein gewaltiger Verkaufserfolg gelang, ist „Vengeance“ das Werk eines (wieder) Suchenden: Hörbar sind Einflüsse von Joy Division bis zum amerikanischen R’n’B: spannender Eklektizismus, der sich in der Auswahl der Duettgäste – von Vanessa Paradis bis zum Libertines-Gitarrist Carl Barât – niedergeschlagen hat. Jörg Wunder

Postbahnhof, So 24.2., 20 Uhr, 29 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar